Die Dinge ändern sich: Digitalisierung und Unternehmensbewertungen

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Die Digitalisierung beeinflusst zunehmend den Unternehmensbewertungsprozess und die Beurteilung von Unternehmensplanungen. Dabei zeichnen sich deutliche Veränderungen sowohl am Bewertungsobjekt selbst als auch innerhalb des Bewertungs- und Arbeitsprozesses ab.

Digitalisierung und Prozesse

Die Digitalisierung betrifft nahezu alle Unternehmen in Deutschland. Sowohl die Betriebs- als auch die Geschäftsmodelle haben sich bereits verändert und werden sich in Zukunft voraussichtlich noch stärker wandeln. Darüber hinaus müssen Produkte und Dienstleistungen (weiter) neu gestaltet und den Gegebenheiten als auch den Anforderungen der Kunden angepasst werden. Hierdurch entstehen neue Erlösgenerierungsprozesse sowie neue Vertriebsstrukturen, wodurch sich auch der Analyseblickwinkel ändert, der diese Entwicklungen aufgreift.

Diese neuen Rahmenbedingungen der digitalen Transformation müssen sich auch im Bewertungsprozess niederschlagen. Wegen der dadurch implizierten hohen Markt- und Branchenvolatilität kann man grundsätzlich nicht mehr – wie früher üblich – von einem typischen Phasen-Modell (Detailplanungs- und Konvergenzphase, ewige Rente) ausgehen, das unterstellt, dass die typische Lebensdauer von Unternehmen in der Regel unendlich ist. Die Konvergenzphase als zeitliche Überleitungsphase zum Terminal Value (Konzept der ewigen Rente) könnte zum Teil obsolet werden und diese durch eine Abschmelzungsphase ersetzen, an deren Ende die Unternehmung womöglich aus dem Wettbewerb ausscheidet.

Dementsprechend gilt es, auch die Planungsplausibilisierung, die Kapitalkosten- und Diskontierungsberechnung an die veränderten Gegebenheiten anzupassen. Traditionelle, insbesondere historisch orientierte Kennzahlen, die bisher als wesentlich galten, müssen um neue (zukunftsorientierte) Kennzahlen (z. B. Nutzerverhalten) erweitert werden. Nur so lässt sich die zukünftige Unternehmensperformance der neuen Geschäftsmodelle realistisch einschätzen und prognostizieren.

Die menschliche Komponente

Um diese Komplexität der neuen Unternehmensumwelten besser abzubilden, muss der Bewerter immer größere Datenmengen verarbeiten. Dabei werden die gesteigerten Rechnerkapazitäten (z. B. Big Data) es ermöglichen, auch unscharfe und unsystematisch erfasste Daten auszuwerten. Hinzu kommen intelligente Programmsysteme (z. B. Künstliche Intelligenz), die dem Bewerter selbstständig Teilanalysen und Handlungsempfehlungen zur Verfügung stellen können. Durch die neuen technischen Möglichkeiten wird es im Bereich der Planungsplausibilisierung voraussichtlich möglich sein, umfangreichere Szenarioanalysen durchzuführen (etwa mit Hilfe von Prognosen, die auf Wahrscheinlichkeitsrechnungen basieren).

Mit steigender Methodenvielfalt verändert sich jedoch nicht zwangsläufig das Bewertungskalkül an sich, sondern ermöglicht dem Bewerter eine höhere Entscheidungskompetenz. Da für eine angemessene und realitätsbezogene Bewertung auch subjektive Überlegungen und persönliche Erfahrungswerte elementar sind, ist davon auszugehen, dass die menschliche Komponente in Gestalt des Bewerters trotz zunehmender Digitalisierung weiterhin eine wesentliche Rolle spielen wird.

Ansprechpartner: Thomas Straßer/Ronald Storp

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