Interviewreihe: Andreas Feicht, Vorstandsvorsitzender, RheinEnergie AG
Am 21.5.2025 findet die BBH-Jahreskonferenz in der Französischen Friedrichstadtkirche in Berlin statt. Im Mittelpunkt steht das Thema „Standortfaktor Energie“, welches auch Fragen nach Energiekosten, Energieversorgung, die Energieinfrastruktur aber auch die damit verbundene Bürokratie beinhaltet.
Zu den Teilnehmer:innen gehören Entscheider:innen aus Politik, Wirtschaft und Verbänden – und mit eben diesen Impulsgeber:innen haben wir im Vorfeld Interviews geführt, die wir an dieser Stelle veröffentlichen werden. Die Interviewreihe setzen wir heute mit Andreas Feicht, Vorstandsvorsitzender RheinEnergie AG, fort.
BBH-Blog: Im Titel unserer Konferenz verknüpfen wir ganz selbstverständlich das Thema Energie mit der Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands. Wie stellt sich die Energiefrage für Sie ganz direkt?
Andreas Feicht: Bis zu einem gewissen Punkt haben wir Unternehmen es natürlich selbst in der Hand, unsere Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Wir treiben Innovation voran, setzen Ressourcen effizient ein und passen unsere Strategie immer wieder an die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen an.
Wir befinden uns in einer gigantischen Transformation des Energiesystems, dessen Komplexität es zu reduzieren gilt. Um flexibel zu bleiben und eine sichere und bezahlbare Versorgung bieten zu können, setzen wir seit Jahren auf einen Mix aus erneuerbaren und fossilen Energieträgern – mit dem klaren Fokus, Schritt für Schritt die regenerativen auszubauen. Bei der Nutzung von Wind- und Sonnenenergie zeichnet sich erfreulicherweise ab, dass die anfangs sehr hohen Investitionskosten sinken.
BBH-Blog: Was ist aus Ihrer Sicht die wichtigste Maßnahme, die die nächste Regierung zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands ergreifen muss?
Andreas Feicht: In den aktuellen Debatten erkennt man auf den ersten Blick manchmal kaum eine gemeinsame Linie der Parteien. Es herrscht aber weitgehend Konsens darüber, dass eine überbordende Regulierung insbesondere dem Mittelstand die Arbeit stark erschwert und bei energiepolitischen Entscheidungen die Finanzierbarkeit mitgedacht werden muss – sowohl für die Unternehmen als auch die Kunden. Hier hoffen wir zeitnah auf verlässliche Neuerungen und Entlastungen, z.B. im Rahmen einer Unternehmenssteuerreform. Außerdem ist es auf lokaler und regionaler Ebene wichtig, Genehmigungsverfahren zu beschleunigen, damit wir beim Ausbau der Energie-Infrastruktur vorankommen.
BBH-Blog: Wie können und sollen wir die finanziellen Mittel aktivieren, die für die dringenden Investitionen in die Energie- und sonstige Infrastruktur nötig sind?
Andreas Feicht: Wir planen, aus eigener Kraft bis 2035 rund 3,8 Milliarden Euro in verschiedenen Sektoren zu investieren: in Batterie-Großspeicher, in Fernwärmekapazitäten aus dekarbonisierten Quellen, in den Ausbau von Leitungen und Erzeugungssysteme aus Erneuerbaren. Wir werden also ständig Investitionsentscheidungen treffen und immer wieder abwägen, ob wir zum Beispiel etwas Neues bauen oder ob wir vorhandene Anlagen durch modernere und leistungsfähigere ersetzen. Die Politik hat die Aufgabe, den Rahmen für das gesamte System zu setzen und uns gleichzeitig den Freiraum für unsere Investionen zu geben.
BBH-Blog: Sehr geehrter Herr Feicht, herzlichen Dank für das Gespräch. Wir freuen uns auf die weitere Diskussion im Rahmen unserer Jahreskonferenz am 21.5.2025.