Interviewreihe: Dörte Schulte-Derne, Geschäftsführerin der Würzburger Versorgungs- und Verkehrs-GmbH sowie Vorständin der Stadtwerke Würzburg AG
Am 12.11.2025 findet die Vierte KlimAKonferenz auf dem EUREF-Campus in Berlin statt. Auf der Konferenz unter dem Titel „Bezahlbarkeit, Versorgungssicherheit und Klimaschutz geglückt? Erste Einschätzungen aus Perspektive der Stadtwerke“ diskutieren wir Fragen rund um die Wirtschaftlichkeit und die Herausforderungen bei der Umsetzung nachhaltiger Energiekonzepte.
Mit den Entscheider:innen aus Politik, Wirtschaft und Verbänden, die an der Konferenz teilnehmen, haben wir im Vorfeld Interviews geführt, die wir an dieser Stelle veröffentlichen – heute mit Dörte Schulte-Derne, Geschäftsführerin der Würzburger Versorgungs- und Verkehrs-GmbH sowie Vorständin der Stadtwerke Würzburg AG.
BBH-Blog: Im Mittelpunkt unserer diesjährigen KlimAKonferenz steht die Frage, wie Kommunen und Unternehmen klimaneutral und zugleich wirtschaftlich erfolgreich sein können. Was ist aus Ihrer Sicht der entscheidende Erfolgsfaktor für diesen Spagat?
Dörte Schulte-Derne: Eine effiziente gemeinsame Planung der Transformation ist entscheidend für wirtschaftlichen Erfolg. Kluge Umsetzungspläne für die Strom- und Wärmewende, effiziente Genehmigungsprozesse inkl. intensiven Behörden-Vorgesprächen und die Koordination der Baustellen – zusammen mit anderen Assets wie z.B. Stromleitungen zu Laternen und den Bedarfen des ÖPNV – werden auf die Dauer einen erheblichen Unterschied machen. Kommunikation, Akzeptanz und Teilhabe werden also neben der Technik den Unterschied machen.
BBH-Blog: Die Energiewende wird weltweit vorangetrieben. Von welchen internationalen Beispielen kann Deutschland besonders profitieren und wo können wir selbst Impulse setzen?
Dörte Schulte-Derne: Wir arbeiten wiederholt mit der Fa. Ramboll zusammen, welche ursprünglich in Dänemark beheimatet ist. Es war am Anfang der Transformationsplanung schon schmerzlich, als „Entwicklungsland“ bezeichnet zu werden. Aber diese Challenge fordert uns jeden Tag in einer positiven Weise.
BBH-Blog: Welche Formen der Zusammenarbeit zwischen Kommunen, Wirtschaft und Politik sind aus Ihrer Sicht entscheidend damit die Energiewende gelingt?
Dörte Schulte-Derne: Dialog, Transparenz und Agilität sind entscheidend. Denn niemand will eine Straße im Jahr 2045 nach einem Transformationsplan aus dem Jahr 2025 umbauen. Wir werden kluge Iterationen, auch mit Hilfe von digitalen Zwillingen, immer wieder erarbeiten.
BBH-Blog: Investitionen gelten als Schlüssel für den Erfolg der Transformation. Welche Rahmenbedingungen sind nötig, damit mehr Kapital in nachhaltige Energielösungen fließt?
Dörte Schulte-Derne: Politische Äußerungen – Stichwort „Übergewinne abschöpfen“ – haben der Branche sehr geschadet. Wir werden ganz selbstverständlich von Kartellbehörden geprüft. Das Produkt Fernwärme unter den Generalverdacht zu stellen, immer sehr teuer zu sein, ist schädlich. Die Wirkung reicht über die Kundenbeziehungen hinaus und hemmt ggf. auch branchenfremde Investoren, die nach der grünen Taxonomie möglicherweise mit uns zusammenarbeiten würden.
BBH-Blog: Mit Blick auf die kommenden Jahre: Welche Prioritäten sollte Deutschland setzen, um die Klimaziele zu erreichen und zugleich seine wirtschaftliche Stärke zu sichern?
Dörte Schulte-Derne: Wir setzen auf eine konsequente Umsetzung der Wärmeplanung und haben dabei z.B. bei den Fördermittelgebern Unsicherheiten festgestellt: Beispielsweise durften wir zur Absicherung der geplanten Anlagen keine Elektrodenkessel mehr einplanen, sondern hatten die Rolle rückwärts zu den Biofuels zu berücksichtigen. Also doch wieder Schornsteine und Verbrennung. Beim WIE haben wir also noch einiges zu besprechen, beim OB steht die Wärmewende für Resilienz auch gegenüber Importländern, während die Erzeugung der Wärme weiter Arbeitsplätze vor Ort sichert.
BBH-Blog: Sehr geehrte Frau Schulte-Derne, herzlichen Dank für das Gespräch. Wir freuen uns auf die weitere Diskussion im Rahmen unserer KlimAKonferenz am 12.11.2025.
Hier finden Sie den Link zum Programm und hier geht es zur Anmeldung.