Strommasten, Sonnenuntergang, Wolken, Horizont

NEST-Prozess: Negative Folgen für die Investorensuche und Transformation (Teil 2/2)

Aufbauend auf der Analyse der wirtschaftlichen Auswirkungen des NEST-Prozesses auf Netzbetreiber in Teil 1 stehen im zweiten Teil die weitergehenden Konsequenzen für die Investorensuche und die Transformation der Energieversorgung im Fokus:

Die deutschen Energieversorgungsunternehmen stehen vor erheblichen finanziellen Herausforderungen durch die hohen Investitionen, die mit der Transformation der Energieinfrastruktur verbunden sind. Der Umbau hin zu einem nachhaltigeren Energiesystem, das erneuerbare Energiequellen wie Wind- und Solarstrom bei höheren Leistungsbedarfen integriert und mit Speichern kombiniert, erfordert umfassende Modernisierungen und den Ausbau der Stromnetze. Dies umfasst den Ausbau von Leitungen sowie den Einbau smarter Technologien für die Netzsteuerung.

Die finanziellen Spielräume der – insbesondere auch in kommunaler Hand befindlichen – Unternehmen, wie beispielsweise Stadtwerke, sind allerdings begrenzt. Eine große Herausforderung besteht dabei darin, dass aus Ratingsicht viele Energieversorger heute schon zunehmend ein kritisches Verhältnis von Ertragskraft und Verschuldungsgrad aufweisen. Es wären daher Rahmenbedingungen für Investitionen zu schaffen, die die Finanzierung der Energiewende für Kapitalgeber attraktiv gestalten. Für die Einwerbung dieses erforderlichen Kapitals kommt die aktuelle Unsicherheit über die künftige Rentabilität des Strom- und Gasnetzbetriebs zur Unzeit.

Aus Sicht der Kapitalgeber ist entscheidend, welche Rendite mit einem Geschäftsmodell bzw. Investitionsprojekt erwirtschaftet werden kann und ob diese für deren Anforderungen ausreicht. Hierbei werden Kapitalgeber nur investieren, wenn sie ein Geschäftsmodell und die dahinterstehende Ertragskraft verstehen.

Für einen erfolgreichen Wettbewerb um privates Kapital wird ein verlässlicher und im europäischen  beziehungsweise internationalen Umfeld attraktives Investitionsfeld benötigt. Aktuell sieht es nicht danach aus, dass die BNetzA die ihr übertragenen neuen Kompetenzen hierfür ausreichend eingesetzt hätte. Die Einführung des pauschalierten WACC ist zwar ein sinnvoller Schritt einer einfacheren Vergleichbarkeit der grundsätzlich zugestandenen kalkulatorischen Rendite für deutsche Verteilernetze im internationalen Wettbewerb. Mit dem pauschalierten WACC-Ansatz sind die Unternehmen im Vergleich zum bisherigen Regulierungssystem zwar auch grundsätzlich freier in der Kapitalbeschaffung  beziehungsweise der entsprechenden Bilanzierung und möglicher Rückwirkungen auf die kalkulatorischen Kapitalkosten. Aber unabhängig von der noch zu fordernden angemessenen Festlegung des WACC-Zinssatzes, ist es notwendig, auch die weiteren Regulierungsmechanismen nicht weiter belastend auszugestalten. Mit den nunmehr in Kraft getretenen NEST-Regelungen und die hieraus absehbar resultierenden wirtschaftlichen Verschlechterung bei den Verteilnetzbetreibern werden auch die Investoren zu einer negativen Einschätzung kommen Auf diese Weise kann die Kapitalbeschaffung nicht erfolgreich verlaufen.

Ein Scheitern oder zeitliches Verzögern des Umbaus der Energieversorgung aufgrund unzureichender Kapitalbeschaffung für Investitionen wird die Transformation verzögern und volkswirtschaftlich voraussichtlich noch mehr verteuern.

Insgesamt bleibt leider festzuhalten, dass die nunmehr vorliegenden NEST-Regelungen zu einer weiteren wirtschaftlichen Belastung der Netzbetreiber führen und auch die Finanzierung der notwendigen Transformation insbesondere für kleine und mittlere Netzbetreiber deutlich erschweren.

Ansprechpartner:innen: Stefan Missling/Axel Kafka/Thomas Straßer/Andreas Fimpel

PS: Sie möchten mehr dazu erfahren: Eine ausführliche Aufarbeitung der wirtschaftlichen Nachteile finden Sie in Bewertung zum NEST-Prozess und dessen wirtschaftliche Auswirkungen auf Netzbetreiber.

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