Interview: Wasserwirtschaftliche Jahrestagung mit Hendrik Rösch, Technischer Geschäftsführer, Harzwasserwerke GmbH
Vom 28.1.2026 bis 30.1.2026 findet in Meisenheim die Wasserwirtschaftliche Jahrestagung „Wachsende Investitionen in der (Ab-)Wasserwirtschaft erfolgreich umsetzen“ statt. Die Branche steht vor enormen Herausforderungen: Ein großer Teil der Infrastruktur erreicht das Ende seiner Nutzungsdauer, Klimawandel, demografische Veränderungen und neue Vorschriften erfordern zusätzliche Anpassungen. Der Investitionsbedarf könnte von rund 10 auf 40 Mrd. EUR pro Jahr steigen.
Wie können Unternehmen diese Investitionen effizient umsetzen? Wie gelingt der Wandel von Betriebs- zu Investitionsunternehmen? Und wie wirken sich die Investitionen auf die Entgelte aus? Diese Fragen diskutieren wir mit Expertinnen und Experten aus Politik, Wirtschaft und Verbänden – unter anderem mit Hendrik Rösch, Geschäftsführer, Harzwasserwerke GmbH.
BBH-Blog: Die (Ab-)Wasserwirtschaft steht vor der Herausforderung massive Investitionen, Klimaanpassungen und Versorgungssicherheit gleichzeitig zu managen. Wenn Sie das aus Ihrer Perspektive betrachten – wo liegt aktuell die größte Stolperfalle?
Hendrik Rösch: Die größte Stolperfalle wird sein, mit den zur Verfügung stehenden finanziellen und personellen Kapazitäten die richtigen Prioritäten zu setzen und die erforderlichen Klimaanpassungen möglichst gut zu prognostizieren, um Fehlinvestitionen zu vermeiden.
BBH-Blog: 10 Mrd. EUR an Investitionen jährlich heute, 40 Mrd. EUR im Schnitt bis 2045 – das ist eine enorme Summe. Wie lässt sich dieses Wachstum praktisch umsetzen?
Hendrik Rösch: Diese Steigerung des Investitionsvolumens ist, insbesondere unter Berücksichtigung des derzeitigen Umsatzes des Bauhauptgewerbes von rund 165 Mrd. EUR pro Jahr und den geplanten zusätzlichen Investitionen anderer Bereiche, wie zum Beispiel dem Verkehrswegebau, ohne disruptive Veränderungen auf Seiten der Bauindustrie nicht umsetzbar, da die Produktivität des Bauhauptgewerbes, im Gegensatz zu anderen Industriezweigen, seit vielen Jahren unverändert ist.
BBH-Blog: Welche Wege sind nötig, um die anstehenden Investitionen zu stemmen? Und lassen sich bereits jetzt Auswirkungen auf die Entgelte feststellen?
Hendrik Rösch: Es lassen sich jetzt schon Auswirkungen auf die Entgelte feststellen, dies ist aber bei den bisher sehr günstigen Wasserpreisen in Deutschland eine schon lange dringend notwendige Entwicklung. Um die anstehenden Investitionen möglichst umfänglich umsetzen zu können, müssen wir aus meiner Sicht mehr Kapazitäten bündeln, vorhandene Kompetenzen – insbesondere im Bereich des Projektmanagement von Großprojekten, aber auch technische Expertise – besser nutzen und als Branche gemeinsam agieren.
BBH-Blog: Die Branche muss sich wandeln: Betriebsunternehmen müssen zu Investitionsunternehmen werden. Macht Ihnen diese Veränderung Sorge oder Angst – und wie gehen Sie damit um?
Hendrik Rösch: Der Transformationsprozess ist eine spannende Entwicklung, da wir vom „Verwalten“ ins „Gestalten“ kommen. Wichtig ist hierbei die Mitarbeitenden mitzunehmen, da es auch bei den Mitarbeitenden einen Wandel im Denken und Handeln erfordert. Wir müssen mehr hinterfragen, ob das, was gestern gut war, auch morgen noch trägt. Wir sind im vergangenen Jahr schon intensiv mit den Führungskräften diesen Wandel angegangen und werden diesen Weg auch konsequent weiterverfolgen.
BBH-Blog: Was wird aus Ihrer Sicht oft unterschätzt, aber künftig entscheidend sein, damit die (Ab-)Wasserwirtschaft nachhaltig und wirtschaftlich erfolgreich bleibt?
Hendrik Rösch: Für eine nachhaltige und wirtschaftliche erfolgreiche Wasserwirtschaft müssen wir aus meiner Sicht einerseits mehr einen datenbasierten und weitgehend automatisiertem Betrieb setzen und andererseits deutlich mehr die Verzahnung von Natur-Infrastruktur und Wasser-Infrastruktur mit Blick auf ein integriertes Flussgebietsmanagement fördern.
BBH-Blog: Sehr geehrter Herr Rösch, vielen Dank für das Gespräch. Wir freuen uns auf weitere Diskussionen im Rahmen der Wasserwirtschaftlichen Jahrestagung ab dem 28.1.2026.
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