Interview: Wasserwirtschaftliche Jahrestagung mit Martin Ruppert, Gruppenleiter Wasseranlagentechnik SachsenEnergie AG
Vom 28.1.2026 bis 30.1.2026 findet in Meisenheim die Wasserwirtschaftliche Jahrestagung „Wachsende Investitionen in der (Ab-)Wasserwirtschaft erfolgreich umsetzen“ statt. Die Branche steht vor enormen Herausforderungen: Ein großer Teil der Infrastruktur erreicht das Ende seiner Nutzungsdauer, Klimawandel, demografische Veränderungen und neue Vorschriften erfordern zusätzliche Anpassungen. Der Investitionsbedarf könnte von rund 10 auf 40 Mrd. EUR pro Jahr steigen.
Wie können Unternehmen diese Investitionen effizient umsetzen? Wie gelingt der Wandel von Betriebs- zu Investitionsunternehmen? Und wie wirken sich die Investitionen auf die Entgelte aus? Diese Fragen diskutieren wir mit Expertinnen und Experten aus Politik, Wirtschaft und Verbänden – unter anderem mit Martin Ruppert, Gruppenleiter Wasseranlagentechnik SachsenEnergie AG.
BBH-Blog: Die (Ab-)Wasserwirtschaft steht vor der Herausforderung massive Investitionen, Klimaanpassungen und Versorgungssicherheit gleichzeitig zu managen. Wenn Sie das aus Ihrer Perspektive betrachten – wo liegt aktuell die größte Stolperfalle?
Martin Ruppert: Aus Perspektive des Wasseranlagenbaus der SachsenEnergie liegt eine der größeren Herausforderung in der Regulierung und den Genehmigungsprozessen. Durch zunehmend aufwändigere Genehmigungsverfahren verlängern sich zum einen die Planungszeiträume und steigen zum anderen die Investitionskosten. Ähnliches gilt aus unserer Sicht für die steigenden Anforderungen aus Gesetzen, Regelwerken und Normen. Besonders bautechnologische Vorgaben oder die Vielfalt von Arbeitssicherheitsthemen erschwert uns das Projektmanagement erheblich und erhöht zusätzlich die Investitionskosten. In diesen beiden Punkten würden wir uns Vereinfachungen und eine deutlich intensivere Nutzung digitaler Möglichkeiten wünschen.
BBH-Blog: 10 Mrd. EUR an Investitionen jährlich heute, 40 Mrd. EUR im Schnitt bis 2045 – das ist eine enorme Summe. Wie lässt sich dieses Wachstum praktisch umsetzen?
Martin Ruppert: Auch die SachsenEnergie trägt mit einem noch nie da gewesenen Investitionsvolumen signifikant zu dieser Steigerung bei. In unserem Fall bedingte das Umsetzen solcher Investitionsprogramme vor allem ein Umdenken innerhalb des Unternehmens. Die konsequente Einbindung der Digitalisierung, die Straffung gewachsener Strukturen oder der effizientere Einsatz von Investitionsmitteln sind hier nur 3 Beispiele. Die Einbindung oder Adaptierung der Strukturen wirtschaftlich orientierter Unternehmen in die oft historisch bedingt kommunal ausgerichteten Versorgungsunternehmen stellt aus unserer Sicht eine Schlüsselposition dar.
BBH-Blog: Welche Wege sind nötig, um die anstehenden Investitionen zu stemmen? Und lassen sich bereits jetzt Auswirkungen auf die Entgelte feststellen?
Martin Ruppert: Grundsätzlich müssen alle Investitionen selbstverständlich finanzierbar sein. Zusätzlich zur Inanspruchnahme möglicher Förderprogramme beziehungsweise der kreditgebundenen Finanzierung ist bei kontinuierlicher Steigerung der Lohn-, Bau- und Energiekosten eine Anpassung der Entgelte an die tatsächliche wirtschaftliche Notwendigkeit der Unternehmen unerlässlich. Der aus unserer Sicht wichtigste Aspekt ist hier selbstverständlich, dass die Effizienz der Versorgungsanlagen und des Einsatzes der Investitionsmittel vor dem tatsächlichen Mehrbedarf der Finanzmittel steht.
BBH-Blog: Die Branche muss sich wandeln: Betriebsunternehmen müssen zu Investitionsunternehmen werden. Macht Ihnen diese Veränderung Sorge oder Angst – und wie gehen Sie damit um?
Martin Ruppert: Grundsätzlich gibt es nie Gründe, Angst vor Veränderungen in der Branche zu haben. Da es sich bei diesem Schritt nicht um eine willkürliche Anpassung der Unternehmensstrukturen, sondern um einen absolut notwendigen Schritt handelt, stellt sich diese Frage mehr oder weniger nicht. Aus unserer Sicht ist die beste Strategie proaktives Handeln, um das Unternehmen jederzeit „vor der Welle“ zu halten. Wenn wir selber die handelnden Akteure sind, bedarf es keiner Sorge vor externen Eingriffen oder Maßnahmen, welche aus der Not heraus getroffen werden müssen.
BBH-Blog: Was wird aus Ihrer Sicht oft unterschätzt, aber künftig entscheidend sein, damit die (Ab-) Wasserwirtschaft nachhaltig und wirtschaftlich erfolgreich bleibt?
Martin Ruppert: Der strategisch sinnvolle und in seiner Höhe ausreichend dimensionierte Einsatz von Investitionsmitteln. Wird dies vernachlässigt oder entsteht sogar ein Investitionsstau, ist dies mit den, im ungünstigsten Fall exponentiell, steigenden Folgekosten für ein Unternehmen kaum bis gar nicht stemmbar.
Am Ende noch eine Bemerkung: Spart nicht an Aus- und Weiterbildung von Fachleuten. Auch das braucht Zeit und wir werden beides brauchen.
BBH-Blog: Sehr geehrter Herr Ruppert, vielen Dank für das Gespräch. Wir freuen uns auf weitere Diskussionen im Rahmen der Wasserwirtschaftlichen Jahrestagung ab dem 28.1.2026.
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