Interview: Wasserwirtschaftliche Jahrestagung mit Thomas Abel, Geschäftsführer Abteilung Wasserwirtschaft, Verband kommunaler Unternehmen e.V. (VKU)
Vom 28.1.2026 bis 30.1.2026 findet in Meisenheim die Wasserwirtschaftliche Jahrestagung „Wachsende Investitionen in der (Ab-)Wasserwirtschaft erfolgreich umsetzen“ statt. Die Branche steht vor enormen Herausforderungen: Ein großer Teil der Infrastruktur erreicht das Ende seiner Nutzungsdauer, Klimawandel, demografische Veränderungen und neue Vorschriften erfordern zusätzliche Anpassungen. Der Investitionsbedarf könnte von rund 10 auf 40 Mrd. EUR pro Jahr steigen.
Wie können Unternehmen diese Investitionen effizient umsetzen? Wie gelingt der Wandel von Betriebs- zu Investitionsunternehmen? Und wie wirken sich die Investitionen auf die Entgelte aus? Diese Fragen diskutieren wir mit Expertinnen und Experten aus Politik, Wirtschaft und Verbänden – unter anderem mit Thomas Abel Geschäftsführer Abteilung Wasserwirtschaft, Verband kommunaler Unternehmen e. V. (VKU).
BBH-Blog: Die (Ab-)Wasserwirtschaft steht vor der Herausforderung massive Investitionen, Klimaanpassungen und Versorgungssicherheit gleichzeitig zu managen. Wenn Sie das aus Ihrer Perspektive betrachten – wo liegt aktuell die größte Stolperfalle?
Thomas Abel: Aus unserer Sicht war es entscheidend, das Thema im vergangenen Jahr auf die politische Agenda zu bringen – und das ist gelungen. Es war der richtige Zeitpunkt, weil nach dem Regierungswechsel auch endlich wieder über öffentlichen Infrastrukturen diskutiert wurde. Die größte Stolperfalle? Wir können uns in der Wasserwirtschaft an einem hohen Vertrauen unserer Kundinnen und Kunden erfreuen. Als Gesellschaft sind wir daran gewöhnt, dass bei Wasser und Abwasser alles funktioniert. Ausfälle sind eine Seltenheit. Gleichzeitig gibt es in der öffentlichen Debatte natürlich eine Art „Aufmerksamkeitskonkurrenz“. Andere Sektoren, die längst nicht mehr so verlässlich funktionieren, ziehen den Fokus auf sich, werden priorisiert. Dabei ist der Investitionsbedarf in der Wasserwirtschaft ebenfalls enorm. Und wir können uns nicht hintenanstellen, sonst setzen wir die von uns gewohnte und erwartete Verlässlichkeit aufs Spiel.
BBH-Blog: 10 Mrd. EUR an Investitionen jährlich heute, 40 Mrd. EUR im Schnitt bis 2045 – das ist eine enorme Summe. Wie lässt sich dieses Wachstum praktisch umsetzen?
Thomas Abel: Schritt für Schritt: Kilometer für Kilometer, Anlage für Anlage. Das passiert nicht über Nacht, aber die Branche kennt Investitionen – das ist tägliches Geschäft. Natürlich sind Fachkräftemangel und parallele Investitionsschübe in anderen Infrastrukturbereichen zusätzliche Hürden. Aber das ändert nichts daran, dass wir die Aufgabe anpacken müssen. Umso wichtiger wird es sein, dass wir den bürokratischen Aufwand und bestehende Hürden so weit wie möglich reduzieren, um die erforderliche Tempoverschärfung auch hinzubekommen.
BBH-Blog: Welche Wege sind nötig, um die anstehenden Investitionen zu stemmen? Und lassen sich bereits jetzt Auswirkungen auf die Entgelte feststellen?
Thomas Abel: Investitionen in die Infrastruktur sind kein rein technisches Thema, sondern hochpolitisch. Die Ver- und Entsorger tragen Verantwortung für die Versorgungssicherheit. Eine robuste und resiliente Infrastruktur ist dafür die Voraussetzung. Für die dafür notwendigen Investitionen brauchen wir gesellschaftliche und politische Rückendeckung. Gleichzeitig ist Wasser ein sensibles Gut: Preissteigerungen werden genau beobachtet und medial diskutiert. Wir müssen beides schaffen – Infrastruktur ertüchtigen und Bezahlbarkeit sichern. Wer die Lösung allein von der Wasserwirtschaft erwartet, verlangt die Quadratur des Kreises. Deshalb brauchen wir eine offene Debatte: Was ist uns eine verlässliche Wasserwirtschaft wert?
BBH-Blog: Die Branche muss sich wandeln: Betriebsunternehmen müssen zu Investitionsunternehmen werden. Macht Ihnen diese Veränderung Sorge oder Angst – und wie gehen Sie damit um?
Thomas Abel: Unsere Mitglieder sagen selbst: Wir werden wieder stärker zu Investitionsunternehmen. Viele sind bereits auf diesem Weg, andere folgen. Sorge? Nein. Veränderung gehört zur DNA der Branche. Als VKU sehen wir unsere Aufgabe darin, die Debatte zu gestalten und mit der Politik die Rahmenbedingungen auszuhandeln, damit dieser Wandel gelingt.
BBH-Blog: Was wird aus Ihrer Sicht oft unterschätzt, aber künftig entscheidend sein, damit die (Ab-) Wasserwirtschaft nachhaltig und wirtschaftlich erfolgreich bleibt?
Thomas Abel: Wasser ist Lebensmittel Nummer eins – und ein wesentlicher Standortfaktor für Wirtschaft und Leben vor Ort. Als Gesellschaft sind wir es gewohnt, dass die Wasserversorgung und Abwasserentsorgung verlässlich funktionieren und wir uns darüber keine Gedanken machen müssen. Aber die Herausforderungen nehmen zu: Klimawandel, Bevölkerungsentwicklung, alternde Infrastruktur, wachsende Anforderungen, Sicherheitsfragen. In der Öffentlichkeit und Politik anzuerkennen, dass das aufwendig ist und Erneuerung nicht von selbst passiert, ist der nächste entscheidende Schritt für eine nachhaltige Zukunft unserer Branche.
Am Ende noch eine Bemerkung: Spart nicht an Aus- und Weiterbildung von Fachleuten. Auch das braucht Zeit und wir werden beides brauchen.
BBH-Blog: Sehr geehrter Hr. Abel, vielen Dank für das Gespräch. Wir freuen uns auf weitere Diskussionen im Rahmen der Wasserwirtschaftlichen Jahrestagung ab dem 28.1.2026.
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