Interviewreihe: Dr. Klaus Wiener, MdB, CDU-/CSU-Bundestagsfraktion
Am 18.3.2026 findet die BBH-Jahreskonferenz in der Französischen Friedrichstadtkirche in Berlin statt. Unter dem Titel „STABIL FÜR MORGEN – MUT STATT ATTENTISMUS“ wollen wir nach einem Jahr Bundesregierung ein Zwischenfazit ziehen: Wo gab es, gibt und soll es noch Aufbruch geben? Denn immerhin hat diese Bundesregierung mit dem „Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität“ ein Instrument zur Verfügung, von dem frühere Regierungen nur träumen konnten. Doch wenn es nicht zielgerecht eingesetzt wird, ist jedes Instrument nur ungenutztes Potential.
Das alles wollen wir mit den Teilnehmer:innen der Jahreskonferenz diskutieren. Und mit einigen Impulsgeber:innen haben wir im Vorfeld Interviews geführt, die sich von ihrer Warte dem Thema genähert haben. Die Interviewreihe setzen wir heute mit Dr. Klaus Wiener, MdB, CDU-/CSU-Bundestagsfraktion fort.
BBH-Blog: Für unsere Konferenz verknüpfen wir ganz selbstverständlich das Thema Stabilität mit dem „Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität“. Was ist aus Ihrer Sicht der beste Einsatz des Sondervermögens, um „stabil für morgen“ zu werden?
Dr. Klaus Wiener: Wir müssen die Mittel des Sondervermögens Infrastruktur und Klimaschutz zielgerichteter ausgeben, als dies bislang der Fall war. Die Gelder sollten ausschließlich dafür verwendet werden, dass unser Wachstumspotenzial steigt. Nur dann hat das Sondervermögen eine gesamtwirtschaftliche Rendite, mit der wir die damit verbundenen Schulden auch zurückzahlen können. Hinzu kommt, dass wir die Mittel aus dem Sondervermögen nutzen müssen, um privates Kapital zu mobilisieren. Die öffentlichen Mittel allein werden bei weitem nicht reichen, um alle Modernisierungsbedarfe zu adressieren.
BBH-Blog: Stellen Sie sich vor, Sie könnten eine einzige mutige Maßnahme – frei von Parteizwängen und Interessengruppe – sofort durchsetzen. Was wäre das?
Dr. Klaus Wiener: Mit einer Maßnahme ist das Problem nicht zu lösen. Das Zauberwort sind angebotsseitige Strukturreformen. Nur wenn wir hier ansetzen, kann die deutsche Wirtschaft dauerhaft stärker wachsen. Stichworte sind: Ertüchtigung der Infrastruktur, Abbau von Bürokratie, Reduzierung der Lohnnebenkosten, Sozialstaatsreform, Erhöhung des Arbeitsangebots sowie technologieoffene Ausweitung des Energieangebots.
BBH-Blog: Was hilft am besten gegen Attentismus?
Dr. Klaus Wiener: Meines Erachtens hilft am besten Transparenz. Ich habe nach wie vor den Eindruck, dass nicht allen in Politik und Gesellschaft klar ist, was gerade passiert. Zu viele glauben nach wie vor, dass wir lediglich ein konjunkturelles Problem haben und kein tiefgehendes strukturelles Problem. In der Unternehmenswelt spricht man bei Veränderungsprozessen vom „sense of urgency“, der bei allen Beteiligten geweckt werden muss. Dieses Bewusstsein für den Handlungsdruck brauchen wir jetzt auch, um den Reformprozess beschleunigen zu können.
BBH-Blog: Sehr geehrter Herr Dr. Wiener, herzlichen Dank für das Gespräch. Wir freuen uns auf die weitere Diskussion im Rahmen unserer Jahreskonferenz am 18. März 2026.