Interviewreihe: Christopher Burghardt, Mitbegründer des Sila Atlantik Projekts
Am 18.3.2026 findet die BBH-Jahreskonferenz in der Französischen Friedrichstadtkirche in Berlin statt. Unter dem Titel „STABIL FÜR MORGEN – MUT STATT ATTENTISMUS“ wollen wir nach einem Jahr Bundesregierung ein Zwischenfazit ziehen: Wo gab es, gibt und soll es noch Aufbruch geben? Denn immerhin hat diese Bundesregierung mit dem „Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität“ ein Instrument zur Verfügung, von dem frühere Regierungen nur träumen konnten. Doch wenn es nicht zielgerecht eingesetzt wird, ist jedes Instrument nur ungenutztes Potential.
Das alles wollen wir mit den Teilnehmer:innen der Jahreskonferenz diskutieren. Und mit einigen Impulsgeber:innen haben wir im Vorfeld Interviews geführt, die sich von ihrer Warte dem Thema genähert haben. Die Interviewreihe setzen wir heute mit Christopher Burghardt, Mitbegründer des Sila Atlantik Projekts, fort.
BBH-Blog: Für unsere Konferenz verknüpfen wir ganz selbstverständlich das Thema Stabilität mit dem „Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität“. Was ist aus Ihrer Sicht der beste Einsatz des Sondervermögens, um „stabil für morgen“ zu werden?
Christopher Burghardt: Das Sondervermögen muss in Investitionen fließen, die die Grundlagen für zukünftiges Wachstum und Resilienz legen: Mobilitäts-, Digitalisierungs-, Energieinfrastruktur, Bildung. In einer sich rapide verändernden Welt wissen wir noch nicht genau, wie und wo sich Wertschöpfung in Deutschland entwickeln wird, aber wir wissen, dass sie ein infrastrukturelles Fundament benötigt und das haben wir in den letzten Jahren vernachlässigt. Mit Blick auf die Energiewirtschaft ist klar, dass mit staatlichen Budgets der Ausbau und die Digitalisierung der Stromnetze – von grenzüberschreitenden HGÜs bis ins Verteilnetz – vorangetrieben werden muss. Dies schafft ein auf treibhausgasneutralen Energien basierendes System, das uns weitgehend unabhängig von fossilen Energieträgern und den damit verbundenen geopolitischen Risiken macht.
BBH-Blog: Stellen Sie sich vor, Sie könnten eine einzige mutige Maßnahme – frei von Parteizwängen und Interessengruppe – sofort durchsetzen. Was wäre das?
Christopher Burghardt: Ich arbeite an dem großen deutsch-marokkanischen Erneuerbaren-Projekt Sila Atlantik. Wir können 7.000 Volllaststunden flexiblen Grünstrom in das deutsche Stromsystem liefern, der Beitrag zur Versorgungssicherheit liegt in der Größenordnung von drei Großkraftwerken. Das ist faszinierend! Ich würde mich deshalb dafür einsetzen, dass innovative Projekte unterstützt werden. Wir können auf technologische und Projektinnovationen nicht verzichten, hier liegt nach wie vor eine große industriepolitische Chance für Deutschland und Europa.
BBH-Blog: Was hilft am besten gegen Attentismus?
Christopher Burghardt: Der rechtliche und regulatorische Rahmen ist zu komplex geworden, die Steuerungsfähigkeit der Energiepolitik geht darüber verloren und Investitionen bleiben aus. Wir brauchen einen deutlich schlankeren Rechtsrahmen für starke Infrastruktur und starken Wettbewerb, der Innovationen anreizt und zulässt. Und eines darf nicht passieren: Dass sich die energiepolitischen Vorzeichen in Berlin und Brüssel alle paar Jahre komplett verändern. Das wird die Transformation einer Industrie mit so kapitalintensiven und langlebigen Assets wie der unseren verhindern, zu Lasten des Wirtschaftsstandorts und der Verbraucher.
BBH-Blog: Sehr geehrter Herr Burghardt, herzlichen Dank für das Gespräch. Wir freuen uns auf die weitere Diskussion im Rahmen unserer Jahreskonferenz am 18. März 2026.