Interviewreihe: Michael Lewis, CEO Uniper SE

Am 18.3.2026 findet die BBH-Jahreskonferenz in der Französischen Friedrichstadtkirche in Berlin statt. Unter dem Titel „STABIL FÜR MORGEN – MUT STATT ATTENTISMUS“ wollen wir nach einem Jahr Bundesregierung ein Zwischenfazit ziehen: Wo gab es, gibt und soll es noch Aufbruch geben? Denn immerhin hat diese Bundesregierung mit dem „Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität“ ein Instrument zur Verfügung, von dem frühere Regierungen nur träumen konnten. Doch wenn es nicht zielgerecht eingesetzt wird, ist jedes Instrument nur ungenutztes Potential.

Das alles wollen wir mit den Teilnehmer:innen der Jahreskonferenz diskutieren. Und mit einigen Impulsgeber:innen haben wir im Vorfeld Interviews geführt, die sich von ihrer Warte dem Thema genähert haben. Die Interviewreihe setzen wir heute mit Michael Lewis, CEO Uniper SE, fort.

BBH-Blog: Für unsere Konferenz verknüpfen wir ganz selbstverständlich das Thema Stabilität mit dem „Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität“. Was ist aus Ihrer Sicht der beste Einsatz des Sondervermögens, um „stabil für morgen“ zu werden?

Michael Lewis: Stabilität entsteht durch Resilienz und Handlungsfähigkeit. Der wirksamste Einsatz des Sondervermögens besteht darin, die Transformation unseres Energiesystems konsequent zu beschleunigen, ohne die Versorgungssicherheit zu gefährden. Wir stehen vor dem größten Umbau unserer energiewirtschaftlichen Strukturen seit Beginn der Industrialisierung. Gezielte Investitionen in moderne, flexible Erzeugungskapazitäten, in Speichertechnologien sowie in eine diversifizierte Importinfrastruktur – etwa für LNG oder künftig grünere Gase wie Wasserstoff – schaffen die Basis für Stabilität, Wettbewerbsfähigkeit und Klimaneutralität. Deshalb brauchen wir ein Energiesystem, das zugleich bezahlbar, verlässlich und zunehmend dekarbonisiert ist. 

BBH-Blog: Stellen Sie sich vor, Sie könnten eine einzige mutige Maßnahme – frei von Parteizwängen und Interessengruppe – sofort durchsetzen. Was wäre das?

Michael Lewis: Ein verbindlicher, über Legislaturperioden hinaus abgesicherter Investitionsrahmen für gesicherte und flexible Erzeugungskapazitäten – mit klaren Marktmechanismen. Um ehrlich zu sein: Ich sehe uns hier bereits auf einem guten Weg. Die Kraftwerksstrategie nimmt konkrete Formen an, und der Kapazitätsmarkt ist angelegt. Entscheidend ist jetzt jedoch die Geschwindigkeit der Umsetzung – damit die Bauarbeiten zügig beginnen können. Versorgungssicherheit ist eine Frage der nationalen Sicherheit. Jahrelange Verfahrensschleifen dürfen wir uns hier nicht leisten. Wir brauchen also Planbarkeit. Wenn Investitionen in flexible Kraftwerke, Speicher und Wasserstoff wirtschaftlich darstellbar und regulatorisch verlässlich sind, wird Kapital mobilisiert. Die Energiewende ist kein Erkenntnisproblem – sie ist ein Umsetzungsthema. Mut heißt hier: politische Klarheit und Verbindlichkeit herstellen. 

BBH-Blog: Was hilft am besten gegen Attentismus?

Michael Lewis: Ein eigener klar ausgerichteter Kompass, verlässliche Rahmenbedingungen und Geschwindigkeit. Wer Ziele eindeutig definiert und Prioritäten setzt, schafft Orientierung. Wenn Politik, Wirtschaft und Gesellschaft die nächsten Schritte geschlossen angehen, wächst Vertrauen – und damit die Bereitschaft zu investieren. Transformation verlangt Entschlossenheit. Es braucht Entscheidungen, nicht Perfektion. 

BBH-Blog: Sehr geehrter Herr Lewis, herzlichen Dank für das Gespräch. Wir freuen uns auf die weitere Diskussion im Rahmen unserer Jahreskonferenz am 18. März 2026

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