Interviewreihe: Prof. Dr. Michael Hüther, Direktor und Mitglied des Präsidiums Institut der deutschen Wirtschaft

Am 21.05.2025 findet die BBH-Jahreskonferenz in der Französischen Friedrichstadtkirche in Berlin statt. Im Mittelpunkt steht das Thema „Standortfaktor Energie“, welches auch Fragen nach Energiekosten, Energieversorgung, die Energieinfrastruktur aber auch die damit verbundene Bürokratie beinhaltet.

Zu den Teilnehmer:innen gehören Entscheider:innen aus Politik, Wirtschaft und Verbänden – und mit eben diesen Impulsgeber:innen haben wir im Vorfeld Interviews geführt, die wir an dieser Stelle veröffentlichen werden. Die Interviewreihe beginnen wir heute mit Prof. Dr. Michael Hüther, Direktor und Mitglied des Präsidiums des Instituts der deutschen Wirtschaft.

BBH-Blog: Im Titel unserer Konferenz verknüpfen wir ganz selbstverständlich das Thema Energie mit der Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands. Wie stellt sich die Energiefrage für Sie ganz direkt?

Prof. Dr. Michael Hüther: Die Energiepreise in Deutschland sind immer noch deutlich höher als in vielen anderen Industrieländern, was die Wettbewerbsfähigkeit vor allem der energieintensiven Unternehmen erheblich beeinträchtigt. Die volatile Preisentwicklung der letzten Jahre ist auf die Achterbahnfahrt auf den Weltenergiemärkten, aber auch auf den mangelnden Aufbau von Speicherkapazitäten für sogenannte Dunkelflauten in Deutschland zurückzuführen. Darüber hinaus sollte die Senkung der Netzentgelte und der Stromsteuer auf europäisches Niveau angegangen werden, um eine wettbewerbsfähige Energieversorgung zu gewährleisten.

BBH-Blog: Was ist aus Ihrer Sicht die wichtigste Maßnahme, die die nächste Regierung zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands ergreifen muss?

Prof. Dr. Michael Hüther: Die wirtschaftspolitische Strategie der Stunde heißt Angebotspolitik. Die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Volkswirtschaft kann nur durch eine neue Investitionsdynamik wieder gestärkt werden. Da wir lange Zeit viel zu wenig investiert haben, muss die Stimulierung privater Investitionen durch eine Investitionszulage oder eine Superabschreibung im Vordergrund stehen, um kurzfristig Impulse zu setzen. Darüber hinaus muss der Staat eine Investitionsoffensive starten, um die marode Infrastruktur auf Vordermann zu bringen.

BBH-Blog: Wie können und sollen wir die finanziellen Mittel aktivieren, die für die dringenden Investitionen in die Energie- und sonstige Infrastruktur nötig sind?

Prof. Dr. Michael Hüther: Ein gesamtstaatlicher Infrastrukturfonds – verwaltet von einer Bund-Länder-Kommission – sollte verlässlich die alternativlose Ertüchtigung der Infrastruktur sichern. Jährliche Zusatzinvestitionen von 60 Mrd. Euro auf zehn Jahre sind dafür unabdingbar. Die Auferlegung solch eines Fonds muss von effizienteren und beschleunigten Verfahren begleitet werden.

BBH-Blog: Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Hüther, herzlichen Dank für das Gespräch. Wir freuen uns auf die weitere Diskussion im Rahmen unserer Jahreskonferenz am 21.5.2025.

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