Tobias Sengenberger; Mann in Anzug; lächeln

Interviewreihe: Tobias Sengenberger, BBH-Partner & Vorstand der BBH AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft

Am 12.11.2025 findet die Vierte KlimAKonferenz auf dem EUREF-Campus in Berlin statt. Auf der Konferenz unter dem Titel „Bezahlbarkeit, Versorgungssicherheit und Klimaschutz geglückt? Erste Einschätzungen aus Perspektive der Stadtwerke“ diskutieren wir Fragen rund um die Wirtschaftlichkeit und die Herausforderungen bei der Umsetzung nachhaltiger Energiekonzepte.

Mit den Entscheider:innen aus Politik, Wirtschaft und Verbänden, die an der Konferenz teilnehmen, haben wir im Vorfeld Interviews geführt, die wir an dieser Stelle veröffentlichen – heute mit Tobias Sengenberger, BBH-Partner & Vorstand der BBH AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft

BBH-Blog: Lieber Herr Sengenberger, im Mittelpunkt unserer diesjährigen KlimAKonferenz steht die Frage, wie Kommunen und Unternehmen klimaneutral und zugleich wirtschaftlich erfolgreich sein können. Was ist aus Ihrer Sicht der entscheidende Erfolgsfaktor für diesen Spagat?

Tobias Sengenberger: Vor dem Hintergrund der weltweit zu beobachtenden Krisen scheinen die Nachhaltigkeitsziele (Eindämmung des Klimawandels und Menschenrechtsverstöße in unsere Wertschöpfungsketten) aus dem Fokus der Europäischen Union und der Bundesregierung zu rücken. Die aktuelle Ausrichtung der Politik wird sicherlich auch dadurch gelenkt, das die Maßnahmen zur Erreichung einer nachhaltigeren Gesellschaft bzw. Unternehmensführung als sehr bürokratisch wahrgenommen werden. Nichts desto trotz werden wir kurz- und mittelfristigen wirtschaftlichen Erfolg gegen den Umbau unserer Gesellschaft hin zu einem nachhaltigeren Wirtschaftssystem aufwiegen müssen. Langfristig wird unser Wohlstand nur durch die Rückholung unserer Wertschöpfungsketten in unsere Verantwortungs- und Entscheidungsbereiche gesichert werden können.

Für kommunale Energieversorgungsunternehmen resultieren daraus, meines Erachtens, mehr Chancen als Risiken. Mit dem nachhaltigen Umbau der regionalen Energiesysteme sichern die Stadtwerke nicht nur Ihre eigene Ertragskraft, sondern auch den Wirtschaftsstandort ihres Versorgungsgebiets ab.

BBH-Blog: Die Energiewende wird weltweit vorangetrieben. Von welchen internationalen Beispielen kann Deutschland besonders profitieren und wo können wir selbst Impulse setzen?

Tobias Sengenberger: Fraglich ist, ob internationale Beispiele 1:1 auf Deutschland übertragen werden können. Oft gehen mit der Energiewende auch geologische und klimatischen Bedingungen und deren Nutzbarmachung einher. Nichts desto trotz ist abzuleiten, dass insbesondere die Länder, welche frühzeitig und konsequent mit dem Umbau ihrer Systeme begonnen haben, derzeit besser dastehen als der ein oder andere. Politische Impulse braucht es insbesondere bezüglich der Stärkung des europäischen Wirtschaftsraums und der Unabhängigkeit von autokratischen Regimen. Als Technologieland kann Deutschland insbesondere von seiner Entwicklungs- und Umsetzungskompetenz profitieren, welche wir für Infrastrukturprojekte fokussieren müssen.

BBH-Blog: Welche Formen der Zusammenarbeit zwischen Kommunen, Wirtschaft und Politik sind aus Ihrer Sicht entscheidend, damit die Energiewende gelingt?

Tobias Sengenberger  Die Forderung an die Politik ist klar: nachhaltige Wirtschaftsförderung auf der Basis eines langfristig gedachten gesetzlichen Rahmens anstatt eines kurzfristigen Flickenteppichs aus sich ständig ändernden Gesetzen und Verordnungen. Auf dieser Grundlagen können Unternehmen sodann tragfähige Entscheidungen bezüglich der Unternehmensentwicklung hin zu einem wirtschaftlichen und klimaneutralen Geschäftsbetrieb treffen.

BBH-Blog: Investitionen gelten als Schlüssel für den Erfolg der Transformation. Welche Rahmenbedingungen sind nötig, damit mehr Kapital in nachhaltige Energielösungen fließt?

Tobias Sengenberger: Das Kapital wird vornehmlich immer einem ausgewogenen Chancen-/Risiko-Verhältnis folgen. Aufgrund der klimatischen und weltpolitischen Entwicklungen ist davon auszugehen, dass zukünftig neben der Rendite auch die politische Stabilität des Wirtschaftsstandorts eine nicht nur untergeordnete Rolle für Investitionsentscheidungen spielt. Derzeit bietet insbesondere Nord-West-Europa, insbesondere für internationale Investoren, optimale Bedingungen. Unsere Aufgabe ist es, diese Bedingungen weiter zu Verbessern und für uns selbst nutzbar zu machen. Dazu zählen jedoch auch unbequeme Wahrheiten wie die Stärkung der Ertragskraft von Energieversorgungsunternehmen durch die Umlage der kapital- und operativen Kosten auf die Preise.

BBH-Blog: Mit Blick auf die kommenden Jahre: Welche Prioritäten sollte Deutschland setzen, um die Klimaziele zu erreichen und zugleich seine wirtschaftliche Stärke zu sichern?

Tobias Sengenberger: Meines Erachtens sollten wir unsere (wirtschafts-) Leistung selbst mehr Wertschätzen und optimistisch in die Zukunft schauen. Wir haben im internationalen Vergleich eine hervorragende Basis, welche es auszubauen gilt. Diese Chance müssen wir nutzen!

BBH-Blog: Sehr geehrter Herr Sengenberger, herzlichen Dank für das Gespräch. Wir freuen uns auf die weitere Diskussion im Rahmen unserer KlimAKonferenz am 12.11.2025.

Hier finden Sie den Link zum Programm und hier geht es zur Anmeldung.

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