Interviewreihe: Ulrich Benterbusch, Geschäftsführer der GASCADE Gastransport GmbH

Am 18.3.2026 findet die BBH-Jahreskonferenz in der Französischen Friedrichstadtkirche in Berlin statt. Unter dem Titel „STABIL FÜR MORGEN – MUT STATT ATTENTISMUS“ wollen wir nach einem Jahr Bundesregierung ein Zwischenfazit ziehen: Wo gab es, gibt und soll es noch Aufbruch geben? Denn immerhin hat diese Bundesregierung mit dem „Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität“ ein Instrument zur Verfügung, von dem frühere Regierungen nur träumen konnten. Doch wenn es nicht zielgerecht eingesetzt wird, ist jedes Instrument nur ungenutztes Potential.

Das alles wollen wir mit den Teilnehmer:innen der Jahreskonferenz diskutieren. Und mit einigen Impulsgeber:innen haben wir im Vorfeld Interviews geführt, die sich von ihrer Warte dem Thema genähert haben. Die Interviewreihe setzen wir heute mit Ulrich Benterbusch, Geschäftsführer der GASCADE Gastransport GmbH, fort.

BBH-Blog: Für unsere Konferenz verknüpfen wir ganz selbstverständlich das Thema Stabilität mit dem „Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität“. Was ist aus Ihrer Sicht der beste Einsatz des Sondervermögens, um „stabil für morgen“ zu werden?

Ulrich Benterbusch: Um stabil für morgen zu werden, müssen wir das Sondervermögen gezielt dort einsetzen, wo Investitionen die Energiewende beschleunigen und gleichzeitig Marktversagen überwinden. Das betrifft vor allem den Wärme- und den Wasserstoffmarkt. In beiden Bereichen fehlen bislang tragfähige Geschäftsmodelle, obwohl sie für Klimaneutralität und Versorgungssicherheit entscheidend sind. Der Staat sollte – ähnlich wie bei den grünen Elektronen – nun auch für grüne Moleküle verlässliche Rahmenbedingungen schaffen. Eine kluge Regulierung ist dabei zentral, um Kosten zu begrenzen, reicht aber für echte Geschäftsmodelle rund um CO2-armen Wasserstoff nicht aus. Dazu brauchen wir auch Förderinstrumente wie CfD oder eine Grüngasquote. Damit investieren wir nicht nur in die Energiewende, sondern stärken auch die Resilienz des Wirtschaftsstandortes Deutschland in geopolitisch unsicheren Zeiten.

BBH-Blog: Stellen Sie sich vor, Sie könnten eine einzige mutige Maßnahme – frei von Parteizwängen und Interessengruppe – sofort durchsetzen. Was wäre das? 

Ulrich Benterbusch: Neben einer deutlichen Vereinfachung der Regulierung würde ich ein industrielles Großprojekt für blauen Wasserstoff sofort auf den Weg bringen – etwa über Dampfreformierung an zentralen Importpunkten. Ein solches Projekt wäre der Start für den Markthochlauf der Wasserstoffwirtschaft. Es würde Vertrauen in der Industrie dafür schaffen, dass Wasserstoff zu akzeptablen Preisen berechenbar verfügbar wird und ermöglicht damit die entsprechenden Investitionen auf der Nachfrageseite. Zudem unterstützt es den Auf- und Ausbau der Wasserstoffinfrastruktur durch verlässliche Auslastung.

BBH-Blog: Was hilft am besten gegen Attentismus? 

Ulrich Benterbusch: Mut zu Entscheidungen und eine in der Grundausrichtung berechenbare Energiepolitik über verschiedene Legislaturperioden hinweg. Kurzfristige Richtungswechsel sind Gift für langfristige Investitionen, die in der Energiewirtschaft die Regel sind.

BBH-Blog: Sehr geehrter Herr Benterbusch, herzlichen Dank für das Gespräch. Wir freuen uns auf die weitere Diskussion im Rahmen unserer Jahreskonferenz am 18. März 2026

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