Nachhaltigkeitsberichterstattung für Stadtwerke: Ein Werkzeug für die Zukunftssicherung 

Die gesetzlichen Anforderungen an die Nachhaltigkeitsberichterstattung werden derzeit neu geordnet. Mit dem im Februar 2025 vorgestellten Omnibus-I-Paket wurden die Rahmenwerke der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD), der Corporate Sustainability Due Diligence Directive (CSDDD) sowie die Taxonomie-Verordnung (TaxVO) auf den Prüfstand gestellt und überarbeitet. Ziel ist es, Berichtspflichten zu vereinfachen, den Umfang der Angaben zu reduzieren und Unternehmen mehr Zeit bei der Umsetzung zu geben. Nach Abschluss der Triologverhandlungen und der Einigung des EU-Parlaments Ende 2025 steht nun fest, welche Unternehmen künftig per Gesetzgebung zur Nachhaltigkeitsberichterstattung verpflichtet sind. Die CSRD und TaxVO gelten nur noch für Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitenden und Umsatzerlösen von mehr als 450 Millionen Euro. Die CSDDD greift ab 5.000 Mitarbeitenden und 1,5 Milliarden EUR Umsatz. 

Für die meisten deutschen Stadtwerke und kommunalen Energieversorger bedeutet das zunächst eine Entlastung, da sie unter den Schwellenwerten bleiben. Dennoch stellt sich die Frage, ob eine Abkehr von der Nachhaltigkeit sinnvoll ist – gerade in einer Branche, die für das Gelingen der Energiewende zentral ist. Transparenz über ökologische, soziale und Governance-Aspekte sollte auch künftig ein fester Bestandteil moderner Unternehmensführung bleiben.  

Nachhaltigkeitsberichterstattung als strategischer Hebel für Stadtwerke 

Stadtwerke stehen im Zentrum der Energiewende und tragen eine besondere Verantwortung gegenüber Kommunen, Bürgerinnen und Bürgern sowie der Wirtschaft. Eine systematische Nachhaltigkeitsberichterstattung kann dabei helfen, Effizienzpotenziale entlang der Wertschöpfungskette zu identifizieren. Die strukturierte Erfassung von Energie-, Ressourcen- und Emissionsdaten macht Einsparpotenziale etwa in der Erzeugung, im Netzbetrieb oder in administrativen Prozessschritten sichtbar. Das senkt Kosten und unterstützt gleichzeitig kommunale Klimaziele. Auch hinsichtlich des Fachkräftemangels gewinnt das Thema an Bedeutung. Gerade für junge Talente ist werteorientiertes Handeln ein wichtiges Entscheidungskriterium bei der Berufswahl. Unternehmen, die Nachhaltigkeit sichtbar in Strategie, Personalpolitik und Unternehmenskultur verankern, stärken ihr Employer Branding, heben sich im Wettbewerb ab und binden ihre Mitarbeitenden langfristig. Unternehmen zeigen damit, dass über wirtschaftliche Ziele hinaus auch Verantwortung für Mensch, Umwelt und Gesellschaft übernommen wird. 

Verbesserung des Risikomanagements durch Transparenz 

Die Nachhaltigkeitsberichterstattung bietet Stadtwerken auch neue Möglichkeiten, ihre unternehmerischen Tätigkeiten systematisch zu analysieren und zu steuern. Durch die Auseinandersetzung mit ökologischen, sozialen und Governance-bezogenen Aspekten erhalten Unternehmen ein klares Bild von den Auswirkungen ihrer Geschäftstätigkeit. So können auch Risiken frühzeitig identifiziert, quantifiziert und in die Entscheidungsprozesse integriert werden. Das schafft die Grundlage, um Gegenmaßnahmen zu evaluieren, Vorkehrungen zu treffen und diese langfristig wertschöpfend auszurichten. Nachhaltigkeitsbezogene Informationen stärken damit die strategische Steuerung des Unternehmens. 

Senkung der Kapitalkosten durch Erschließung neuer Finanzierungsquellen 

Der Zugang zu Kapital ist für Stadtwerke und Energieversorger als anlagen- und investitionsintensive Unternehmen schon immer entscheidend für die Geschäftsentwicklung. Investitionen in Netze, Erzeugungs- und Speicheranlagen sowie in Instandhaltung und Modernisierung bestehender Anlagen erfordern hohe finanzielle Mittel. Banken, Förderinstitute und Investoren beziehen Nachhaltigkeitsinformationen zunehmend in ihre Bewertung ein. Transparente und belastbare ESG-Informationen verbessern die Einschätzung von Risiken und Zukunftsfähigkeit. Das kann Finanzierungskonditionen verbessern, Kapitalkosten senken und den Zugang zu nachhaltigkeitsbezogenen Finanzierungsinstrumenten erleichtern. Gleichzeitig unterstützt eine gezielte Erhebung relevanter Nachhaltigkeitsinformationen die effiziente Steuerung von Investitionen. Projekte lassen sich gezielt, risikobewusst und zukunftsorientiert priorisieren und umsetzen. 

Stakeholdermanagement: Erwartungen frühzeitig erkennen und nachvollziehbar kommunizieren 

Stadtwerke und kommunale Energieversorger müssen eine Vielzahl von Stakeholdern mit unterschiedlichen Erwartungen berücksichtigen – von kommunalen Gesellschaftern über Kundinnen und Kunden bis zu Banken und Mitarbeitenden. Viele Stakeholder verfolgen eigene Klimaziele oder haben klare Vorstellungen darüber, welche Verantwortung ein Stadtwerk übernehmen soll. Umso wichtiger ist es, diese Erwartungen früh zu erkennen und nachvollziehbar zu kommunizieren. Nachhaltigkeitsberichterstattung kann dabei ein wirksames Instrument sein: Sie zeigt, wie das Unternehmen mit diesen Erwartungen umgeht, schafft Vertrauen und stärkt Akzeptanz. Gleichzeitig fördert sie den Dialog mit Stakeholdern, macht Risiken sichtbar und hilft, gemeinsame Nachhaltigkeitsziele klar nach außen zu tragen.  

Nachhaltigkeitsberichterstattung als integriertes Steuerungs- und Entwicklungsinstrument

Vor dem Hintergrund regulatorischer Anpassungen lohnt es sich für Stadtwerke und Energiedienstleister, Nachhaltigkeitsberichterstattung nicht nur als Pflicht zu verstehen, sondern als integriertes Steuerungs- und Entwicklungsinstrument. Richtig eingesetzt, kann sie Effizienz steigern, Investitionen absichern, Risiken reduzieren und die Zukunftsfähigkeit von Stadtwerken und kommunalen Energieversorgern nachhaltig stärken. Für nicht berichtspflichtige Unternehmen bedeutet eine freiwillige Verpflichtung zur Nachhaltigkeitsberichterstattung jedoch nicht, einen vollumfänglichen Bericht nach CSRD, CSDDD und/oder TaxVO zu erstellen. Sinnvoller ist eine reduzierte, pragmatische Berichterstattung mit Fokus auf die wesentlichen Themen, damit sich Aufwand und Nutzen in einem ausgewogenen Verhältnis bewegen. Im Vordergrund sollten insbesondere Aspekte wie Energie- und Ressourceneffizienz, Klimaschutz und Emissionsreduktion, Versorgungssicherheit, regionale Wertschöpfung sowie Mitarbeiter- und Fachkräftethemen stehen. Eine fokussierte Herangehensweise schafft Transparenz und unterstützt strategische Entscheidungen. Darüber hinaus können sich Stadtwerke und kommunale Energieversorger dadurch als verantwortungsbewusste, zukunftsorientierte Akteure der kommunalen Daseinsvorsorge positionieren. 

Gern ansprechbar: Tobias Sengenberger/Carolin Mießen/Anna-Marlena Miedl/Sandro Rampf 

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