Preiswert oder preiswürdig? – Kalkulation und Kommunikation von (Ab-)Wasserentgelten 

In der aktuellen politischen und gesellschaftlichen Debatte in Deutschland gibt es kaum ein sensibleres Thema als steigende Lebenshaltungskosten. Für Unternehmen der Trinkwasserversorgung und Abwasserentsorgung entsteht daraus ein massives Spannungsfeld. Die Öffentlichkeit beäugt jede Preiserhöhung kritisch. Dennoch müssen viele Unternehmen in der Branche Entgelte anpassen. 

Die 800-Milliarden-Euro-Herausforderung 

Es ist kein Geheimnis, dass die Infrastruktur der Daseinsvorsorge vor gewaltigen Aufgaben steht. In der von BBH im Auftrag des VKU (Verband kommunaler Unternehmen e.V.) durchgeführten Studie zum Investitionsbedarf in der (Ab-)Wasserwirtschaft wurde bis zum Jahr 2045 ein notwendiges Investitionsvolumen von rund 800 Mrd. EUR ermittelt. Da diese Summe über die Entgelte refinanziert wird, müssen die anstehenden Investitionen in die Entgelte eingepreist werden. Dadurch steigt der Erklärungsdruck gegenüber Bürgern, Aufsichtsbehörden und der Politik. 

Um dieses Spannungsfeld konstruktiv zu bewältigen, ist eine transparente und nachvollziehbare Kalkulation der (Ab-)Wasserentgelte erforderlich.  

Belastbare Kalkulation als Basis für Entgelterhöhungen 

Unabhängig von der Organisationsform sichert eine belastbare und rechtssichere Kalkulation der Entgelte der Trinkwasserver- oder Abwasserentsorgung die Kostendeckung und die Sicherstellung der Investitionsfähigkeit. In den Kommunalabgabengesetzen der Länder sind zwar teilweise längere Kalkulationszeiträume zulässig. Außerdem wählen viele privatrechtliche Unternehmen diese langen Zeiträume. Im Hinblick auf die aktuellen Entwicklungen der Kosten, etwa Personal-, Energie- und Materialkosten, und die rege Investitionstätigkeit sind jedoch kürzere Kalkulationszeiträume zu empfehlen. Man unterscheidet im Rahmen der Entgeltkalkulation zwischen Vor- und Nachkalkulation. Im Rahmen der Nachkalkulation wird auf Basis der tatsächlichen Kosten und Erlöse ermittelt, welche Kostendeckung durch die bestehenden Entgelte erreicht wurde. Die Vorkalkulation ermittelt auf Basis von geplanten Kosten und Erlösen, welche Entgelte zukünftig zur Kostendeckung führen. 

Neben der Übernahme der aufwandsgleichen Kosten sowie der kostenmindernden Erlöse aus der Spartenrechnung oder Wirtschaftsplanung können kalkulatorische Kosten ermittelt werden. Dazu gehören etwa längere, betriebsübliche Nutzungsdauern der Anlagen oder die Ermittlung von Tagesneuwerten. Darüber hinaus sollte eine angemessene Kapitalverzinsung berücksichtigt werden. Gerade in Bezug auf die Investitionstätigkeit kann es außerdem sinnvoll sein, geplante Investitionen bereits in der Kalkulation zu berücksichtigen. 

Sind die Gesamtkosten ermittelt, ist es insbesondere bei unterschiedlichen Kundengruppen erforderlich, die Kosten und Erlöse den unterschiedlichen Kostenträgern zuzuordnen. Nur so kann eine Quersubventionierung ausgeschlossen werden. 

Gerade für Versorger, die neben Tarifkunden auch Industrie- /Sonderkunden oder andere Wasserversorger beliefern, ist neben der sachgerechten Kalkulation auch die vertragliche Ausgestaltung des Lieferverhältnisses wichtig. Lesen Sie dazu auch unseren Beitrag Wasserlieferverträge zukunftssicher gestalten

Weg von der Emotion, hin zur Sachlichkeit 

Um die Akzeptanz für notwendige Zukunftsinvestitionen und somit steigende Entgelte zu sichern, reicht es meist nicht aus, auf steigende Kosten zu verweisen. Ein sachlicher Diskurs über die Höhe der Wasserpreise setzt ein grundlegendes Verständnis der Kalkulationsmethodik sowie der strukturellen Gegebenheiten voraus. Die transparente Aufarbeitung, dass höhere Entgelte nicht das Resultat mangelnder Effizienz sind, sondern auf wenig beeinflussbaren strukturellen Rahmenbedingungen basieren, ist zwingend notwendig. 

Doch wie macht man diese komplexen Zusammenhänge greifbar? Eine moderne Kommunikationsstrategie sollte auf mehreren Säulen ruhen: 

  • Differenzierter Vergleich: Ein reiner Preisvergleich ist oft irreführend. Für eine sachgerechte Einordnung müssen die Entgeltgestaltung, etwa das Verhältnis von Grund- zu Mengenentgelten, sowie die Finanzierung über Anschlussbeiträge, Baukostenzuschüsse oder Hausanschlusskostenerstattungen berücksichtigt werden. Ein differenzierter Entgeltvergleich unter Berücksichtigung realistischer Typfälle ist ratsam. Zudem kann eine adäquate Auswahl passender Vergleichsunternehmen zu mehr Transparenz beitragen. 
  • Kostentreiber identifizieren: Warum ist es an Ort A teurer als an Ort B? Faktoren wie die Siedlungsstruktur (beispielsweise Bevölkerungsdichte), die Topografie (beispielsweise Anzahl der Druckzonen, Pumpwerke und Hochbehälter), die Altersstruktur des Netzes oder die Eigen- und Fremdversorgung müssen quantifiziert und benannt werden. Dies kann ein schlechteres Abschneiden im Entgeltvergleich erklären. 
  • Strukturbereinigung als Argument: Simulationen fiktiver Szenarien helfen dabei, die tatsächliche operative Effizienz eines Unternehmens erst wirklich sichtbar und vergleichbar zu machen. Wie sähen etwa unsere Entgelte bei einer dichteren Besiedlung aus? Solche Vergleiche zeigen, dass vermeintliche Effizienzmängel oft auf strukturelle Rahmenbedingungen zurückgehen. 

Unterstützung auf Augenhöhe 

Neben der reinen Datenanalyse ist die Begleitung in den politischen Gremien, gegenüber Aufsichtsbehörden sowie im Verhältnis zu den Kunden, entscheidend. Ob in Gremiensitzungen oder bei Anfragen der Landeskartellbehörde – eine fundierte Argumentation, die technische, wirtschaftliche und juristische Expertise vereint, ist bei notwendigen Entgelterhöhungen unverzichtbar.  

Wer die Daseinsvorsorge zukunftssicher aufstellen will, muss heute mehr denn je in die Überzeugungskraft seiner Zahlen investieren. Transparenz ist dabei kein Nice-to-have, sondern die Basis für langfristiges Vertrauen. 

Gern ansprechbar: Daniel Schiebold/Thomas Straßer/Jana Siebeck/Carolin Mießen  

Ebenfalls gern ansprechbar: Beate Kramer/Sascha Köhler/Siyar Gülmez/Bruno Brandenburg 

PS: Wir laden Sie herzlich ein, mit uns auf der IFAT vom 4. bis 7. Mai in der Messe München, Halle B2, Stand 124 in unseren Expertensprechstunden auch über das Thema (Ab-)Wasserentgeltkalkulation und Kommunikation von Entgeltanpassungen zu diskutieren. Wir sind sicher, dass wir auch für Ihre Herausforderungen eine passgenaue Lösung finden und freuen uns auf den Austausch mit Ihnen! 

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