Interviewreihe: Stefan Evers, Bürgermeister und Senator für Finanzen, Land Berlin
Am 18.3.2026 findet die BBH-Jahreskonferenz in der Französischen Friedrichstadtkirche in Berlin statt. Unter dem Titel „STABIL FÜR MORGEN – MUT STATT ATTENTISMUS“ wollen wir nach einem Jahr Bundesregierung ein Zwischenfazit ziehen: Wo gab es, gibt und soll es noch Aufbruch geben? Denn immerhin hat diese Bundesregierung mit dem „Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität“ ein Instrument zur Verfügung, von dem frühere Regierungen nur träumen konnten. Doch wenn es nicht zielgerecht eingesetzt wird, ist jedes Instrument nur ungenutztes Potential.
Das alles wollen wir mit den Teilnehmer:innen der Jahreskonferenz diskutieren. Und mit einigen Impulsgeber:innen haben wir im Vorfeld Interviews geführt, die sich von ihrer Warte dem Thema genähert haben. Die Interviewreihe setzen wir heute mit Stefan Evers, Bürgermeister und Senator für Finanzen, Land Berlin, fort.
BBH-Blog: Für unsere Konferenz verknüpfen wir ganz selbstverständlich das Thema Stabilität mit dem „Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität“. Was ist aus Ihrer Sicht der beste Einsatz des Sondervermögens, um „stabil für morgen“ zu werden?
Stefan Evers: Stabil zu bleiben und sich für die Aufgaben der Zukunft zu wappnen, ist per se mein Anspruch an das Handeln der Verwaltung. Das gilt umso mehr für diese Zeit fundamentaler Transformation. Das Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität gibt uns zusätzlichen finanziellen Spielraum für gezielte Investitionen. Mehr noch: Es ist angesichts der hohen gesetzlichen Ausgabeverpflichtungen der Länder und Kommunen eine Voraussetzung dafür, überhaupt handlungs- und leistungsfähig bleiben zu können. Ein besonderer Fokus liegt natürlich auf den Bereichen Wohnen, Mobilität, Gesundheitswirtschaft, Energie und Bildung. Wichtig sind aus meiner Sicht aber auch die veranschlagten Mittel für die Digitalisierung. Wir können den Herausforderungen unserer Zeit nur gerecht werden, wenn wir effizient arbeiten und Prozesse beschleunigen. Hierfür muss die digitale Welt deutlich schneller Einzug halten in die Verwaltung.
BBH-Blog: Stellen Sie sich vor, Sie könnten eine einzige mutige Maßnahme – frei von Parteizwängen und Interessengruppe – sofort durchsetzen. Was wäre das?
Stefan Evers: Die Absenkung deutscher Normen und Goldstandards auf den europäischen Durchschnitt
BBH-Blog: Was hilft am besten gegen Attentismus?
Stefan Evers: Mut und Haltung. Wir müssen dafür Sorge tragen, dass künftige Generationen von Politikerinnen und Politikern noch über Gestaltungsmöglichkeiten verfügen. Gegenwärtig ist unsere Haushaltslage extrem herausfordernd: Zinsen, Personalkosten, Verträge und gesetzliche Verpflichtungen engen unseren finanziellen Spielraum massiv ein; das Finanzierungsdefizit gleichen wir derzeit mit hohen Kreditaufnahmen aus. Das ist keine Strategie für die Zukunft. Unsere Finanzpolitik für die zweite Hälfte der 2020er-Jahre fußt daher auf einem Dreiklang aus Konsolidieren, Investieren und Reformieren. Das Land Berlin investiert aktuell so viel wie noch nie in die Infrastruktur, mit einem ersten großen Konsolidierungspaket haben wir uns erfolgreich auf den Weg gemacht und die Verwaltungsreform geht ineffiziente Strukturen endlich grundlegend an
BBH-Blog: Sehr geehrter Herr Evers, herzlichen Dank für das Gespräch. Wir freuen uns auf die weitere Diskussion im Rahmen unserer Jahreskonferenz am 18. März 2026.