Unter Strom zum Erfolg: Elektromobilität als strategische Chance für die Logistik (Teil 1) 

Die Logistik- und Speditionsbranche steht an einem entscheidenden Wendepunkt. Der Druck zur Dekarbonisierung wächst – getrieben durch politische Vorgaben, steigende CO₂-Preise und nicht zuletzt durch die Erwartungen der Kunden. Elektromobilität ist dabei nicht mehr nur eine Zukunftsvision, sondern für viele Unternehmen bereits Realität. Doch der Weg zur elektrischen Flotte ist komplex und erfordert strategische Weitsicht. In dieser Blogreihe begleiten wir Sie durch die zentralen Herausforderungen und Chancen der Elektromobilität in der Logistik – von der ersten Idee bis zur vollständigen Umsetzung.  

Der Business-Case: Lohnt sich die Umstellung wirklich? 

Die wichtigste Frage vor dem Einstieg in die Elektromobilität lautet: Rechnet sich das überhaupt wirtschaftlich? Die Antwort fällt für viele Einsatzszenarien zunehmend – auch ohne staatliches Förderprogramm (hierzu später Teil 2) – positiv aus. Die Gesamtbetriebskosten (TCO) elektrischer Nutzfahrzeuge sinken kontinuierlich, während die Preise für Dieselkraftstoffe steigen. Hinzu kommen geringere Wartungskosten und steuerliche Vorteile der Elektromobilität. 

Doch der Business-Case geht über rein finanzielle Aspekte hinaus. Unternehmen, die heute auf Elektromobilität setzen, positionieren sich als Vorreiter der nachhaltigen Logistik. Dies wird zu einem immer wichtigeren Differenzierungsmerkmal im Wettbewerb, um Kunden, aber auch um Mitarbeiter zu gewinnen – denn Nachhaltigkeit ist inzwischen ein entscheidender Faktor bei der Arbeitgeberwahl. 

Die technische Herausforderung 

Die Entscheidung für Elektromobilität steht und fällt mit der passenden Ladeinfrastruktur und deren Verfügbarkeit. Hierbei müssen Unternehmen eine Vielzahl von Faktoren berücksichtigen: Welche Fahrzeuge kommen zum Einsatz? Welche Reichweiten werden benötigt? Welche Ladeleistungen sind erforderlich? Und vor allem: Wie sieht die passende Ladeinfrastruktur aus und wo wird sie benötigt? 

Die Antworten hängen stark vom individuellen Einsatzprofil ab. Ein Lieferwagen im städtischen Verteilverkehr stellt andere Anforderungen als ein schwerer Lastwagen im Fernverkehr. Die Ladeinfrastruktur muss auf diese Bedürfnisse zugeschnitten sein – von einfachen Wallboxen bis hin zu Megawattladestationen, sowohl im eigenen Depot als auch in der Fläche.  

Unternehmen müssen regelmäßig sowohl an ihren eigenen Standorten Ladepunkte für die gesamte Flotte bereitstellen als auch auf ein funktionierendes Ladenetz entlang der Transportwege – insbesondere an Autobahnen und Logistikknotenpunkten – zurückgreifen können. Den Aufbau von Ladeinfrastruktur auf eigenen Betriebsgeländen können sie dabei grundsätzlich durch Investitionen steuern. Diese sind jedoch im E-Lkw-Bereich aufgrund der erforderlichen hohen Ladeleistungen nicht unerheblich. Hinzu kommen nur begrenzt verfügbare Netzanschlusskapazitäten. Dementsprechend fragen sich viele Unternehmen derzeit, ob es nicht Kooperationsmodelle zur Kostenverteilung und gemeinsamen Nutzung von Ladeinfrastruktur gibt. Beim Laden unterwegs an öffentlichen Ladesäulen sind Logistikunternehmen darüber hinaus mit Preisunsicherheiten beim Ladestrom konfrontiert. Konsequenterweise stellt sich hier die Frage, wie sich Preisstabilität beziehungsweise eine bessere Vorhersehbarkeit von Ladestrompreisen erreichen lassen, um im Gesamtbild eine Kostenäquivalenz zum herkömmlichen Tanken mit konventionellen Lkw sicherzustellen.  

Infrastruktur ist der Schlüssel – drei Wege zum Ziel? 

Den Unternehmen stehen grundsätzlich drei verschiedene Modelle zur Verfügung, um diese Herausforderungen anzugehen – jedes mit seinen eigenen Vor- und Nachteilen: 

  • Der Eigenbetrieb von Ladeinfrastruktur, gegebenenfalls in Kombination mit dezentralen Stromerzeugern, bietet auf der einen Seite maximale Kontrolle über Ladevorgänge sowie Kostenvorteile bei Strompreisen, insbesondere bei gruppenweitem Einkauf und/oder Eigenproduktion (PV-Anlagen etc.). Dies optimiert die Kontrolle von Ladevorgängen sowie die Flexibilität bei der Anpassung an eigene Anforderungen. Auf der anderen Seite stehen die Investitionskosten und der nötige Know-how-Erwerb, den der Wechsel vom Energieträgerwechsel Benzin/Diesel zu Strom erfordert. 

  • Beim sogenannten Dienstleistermodell können Unternehmen dritte Anbieter mit Planung, Installation und Betrieb der Ladeinfrastruktur beauftragen, die je nach Modell das „Rundum-Sorglos-Paket“ oder auch nur Teilprozesse übernehmen, wie zum Beispiel die Strombeschaffung. Dieses Modell reduziert die Anfangsinvestitionen und bindet keine internen Ressourcen. Nachteilig sind die laufenden Kosten und die geringere Kontrolle über die Ladeinfrastruktur, was zu einer gewissen Abhängigkeit vom Dienstleister führt. 

  • Das Kooperationsmodell ist schließlich ein hybrider Ansatz, bei dem mehrere Unternehmen gemeinsam Ladeinfrastruktur aufbauen, diese gemeinsam vor Ort und unterwegs nutzen und/oder die Strombeschaffung und -erzeugung gemeinsam organisieren. Dies ist der Mittelweg zwischen vollständigem Eigenbetrieb und der Beauftragung eines Dienstleisters und kann besonders für kleine und mittelständische Unternehmen interessant sein, die die Investitionskosten nicht allein tragen können oder wollen. Darüber hinaus wird das Know-how gemeinsam erworben, ergeben sich neue Lademöglichkeiten in der Fläche (Stichwort: „befreundete“ Ladeinfrastruktur) und bleibt ein Mindestmaß an Kontrolle bestehen. Herausfordernd sind jedoch die Koordination der verschiedenen Nutzer sowie die Klärung von Verantwortlichkeiten und Kostenverteilung. 

Die Wahl des passenden Modells hängt von vielen Faktoren ab: Flottengröße, verfügbare Investitionsmittel, internes Know-how und strategische Ausrichtung. Im Rahmen dieser Blogreihe werden drei Modelle detailliert verglichen und Entscheidungshilfen für die Wahl des passenden Ansatzes gegeben. 

Gern ansprechbar: Dr. Christian de Wyl/Dr. Roman Ringwald/Matthias Puffe

Ebenfalls gern ansprechbar: Dr. Christian Gemmer/Katharina Schubert 

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