Unter Strom zum Erfolg: Elektromobilität als strategische Chance für die Logistik (Teil 2)
Die Transformation zur Elektromobilität ist für Unternehmen im Logistiksektor weit mehr als eine technische Modernisierung. Sie betrifft zentrale Unternehmensbereiche gleichermaßen – von Energieversorgung und Infrastruktur über Finanzierung und Fördermittel bis hin zu regulatorischen und rechtlichen Anforderungen. Damit wird die Elektrifizierung der Flotte zu einer strategischen Aufgabe, die frühzeitige Planung, interdisziplinäre Expertise und ein tiefes Verständnis der wirtschaftlichen Zusammenhänge erfordert.
Nachdem im ersten Teil dieser Blogreihe erste Herausforderungen und mögliche Lösungsansätze erläutert wurden, widmet sich der zweite Teil weiteren technischen, wirtschaftlichen und rechtlichen Aspekten, die Unternehmen bei der Umstellung auf Elektromobilität berücksichtigen müssen. Zudem wird die Relevanz einer frühzeitigen strategischen Planung beleuchtet.
Die Netzanschluss-Problematik: Der erste Engpass, der über Erfolg oder Misserfolg entscheidet
Besonders kritisch und oft unterschätzt ist im Rahmen des Ladeinfrastrukturaufbaus die Frage des elektrischen Netzanschlusses. Die Leistungsaufnahme einer elektrischen Lkw-Flotte ist nicht zu unterschätzen. Ein einzelner E-Lkw mit einer Ladeleistung von 350 kW benötigt so viel Leistung wie ein kleines Wohngebiet. Eine Flotte von zehn oder mehr Fahrzeugen kann die Kapazität ganzer Industrieanlagen übersteigen.
Dementsprechend ist es nicht überraschend, dass die für den konventionellen Logistikbetrieb ausgelegten Netzanschlüsse meist für die Umstellung auf Elektromobilität ungeeignet sind oder nur begrenzt den Betrieb von adäquater Ladeinfrastruktur zulassen. Unternehmen sehen sich daher zum einen mit der Herausforderung der Klärung der Anschlusserweiterung mit den zuständigen Netzbetreibern konfrontiert, und zum anderen mit der bislang nicht gekannten Konkurrenzsituation um Netzanschlusskapazitäten mit anderen stromintensiven Branchen wie Batteriespeichern und Rechenzentren.
Hinzu kommt, dass die Kosten für einen neuen oder verstärkten Netzanschluss Unternehmen oft überraschen: Sie werden oft erst spät im Planungsprozess der Flottenelektrifizierung sichtbar und können den gesamten Business-Case der Elektromobilität infrage stellen. Denn die Kosten sind regional sehr unterschiedlich und hängen von der Verfügbarkeit von Netzkapazität und den spezifischen Anforderungen des Netzbetreibers ab.
Zusammenarbeit von Unternehmen und Netzbetreibern entscheidend für den Erfolg
Unternehmen müssen die Realisierung eines neuen beziehungsweise verstärkten Netzanschlusses daher von Beginn an angehen –auch weil dieser Prozess je nach Komplexität mehrere Monate bis zu mehreren Jahren dauern kann. Genehmigungsverfahren, Planungsphasen und Bauarbeiten erzeugen lange Vorlaufzeiten, die bei der Flottenplanung berücksichtigt werden müssen – ein Aspekt, der oft unterschätzt wird und zu Verzögerungen im gesamten Projekt der Flottenumstellung führt. Dabei ist eine teure maximale Netzverstärkung nicht immer die einzige Lösung. Durch intelligentes Lastmanagement lässt sich weniger Netzkapazität effizienter nutzen. Unternehmen steuern die Ladevorgänge so, dass die maximale Anschlussleistung nicht überschritten wird – etwa durch zeitversetztes Laden, Priorisierung von Fahrzeugen oder Anpassung der Ladeleistungen an die aktuelle Netzlast. Auch die Integration von Photovoltaikanlagen, Batteriespeichern oder Windkraft kann die Netzbelastung reduzieren und die Unabhängigkeit vom Stromnetz erhöhen.
Die Zusammenarbeit mit dem Netzbetreiber ist insoweit entscheidend für den Erfolg des Projekts. Frühzeitige Gespräche helfen, Engpässe zu identifizieren, Lösungsansätze zu entwickeln und die Kosten transparent zu machen. Wichtig ist, dass Unternehmen ihre Anforderungen präzise formulieren und realistische Zeitpläne aufstellen.
Die Netzanschluss-Problematik ist damit ein komplexes Thema, das von Beginn an zu berücksichtigen ist. In unserer Blogreihe beleuchten wir die verschiedenen Aspekte detailliert, stellen Lösungsansätze vor und zeigen, wie Unternehmen die Herausforderungen des Netzanschlusses meistern können – bleiben Sie gespannt!
Bestehende Fördermöglichkeiten: Den Wandel finanziell meistern
Den „Pain Point“ der erheblichen Investitionen für die Umstellung auf Elektromobilität hatten wir bereits angerissen – doch Unternehmen müssen diese Kosten nicht allein tragen. Eine Vielzahl von Förderprogrammen auf Bundes-, Landes- und EU-Ebene unterstützt den Übergang zur elektrischen Mobilität. Wer die verschiedenen Möglichkeiten kennt und die richtigen Anträge stellt, kann die Investitionskosten deutlich senken und den Business-Case der Elektromobilität entscheidend verbessern.
Die Förderlandschaft ist unübersichtlich und ändert sich ständig. Deshalb scheitern Unternehmen vielfach nicht an den technischen oder wirtschaftlichen Herausforderungen, sondern an der komplexen Fördermittelakquise. In unserer Blogreihe beleuchten wir auch diese Thematik und stellen Ihnen Bundes-, Landes- und EU-Förderprogramme sowie deren Voraussetzungen vor. Die Kenntnis der einzelnen Programme, deren Voraussetzungen und deren Kombinationsmöglichkeiten ist entscheidend, um Dekarbonisierungsprojekte optimal zu fördern und sicher umzusetzen.
Die Umsetzung: Ein Projekt, das Strategie braucht
Die Elektrifizierung im Logistikbereich ist erkennbar mehr als der Austausch der Fahrzeugflotte und damit kein Projekt, das man nebenbei erledigt. Die Transformation zur Elektromobilität ist eine komplexe Aufgabe, die Expertise in vielen Bereichen erfordert – von Technik über Finanzen bis hin zu Recht und Projektmanagement. Wer sorgfältig analysiert, vermeidet Risiken und kann die passende Lösung wählen. Genau hier setzt unsere Unternehmensgruppe an: Mit jahrelanger Erfahrung im Energierecht und tiefem Verständnis für die Herausforderungen der Elektromobilität für Unternehmen begleiten wir unsere Kunden von der ersten Analyse bis zur vollständigen Umsetzung. Unsere Beratungsleistungen sind dabei ganzheitlich: Wir analysieren Ihre individuellen Anforderungen, entwickeln maßgeschneiderte Lösungen und unterstützen Sie bei der Implementierung.
In den kommenden Beiträgen dieser Blogreihe stellen wir nicht nur theoretische Konzepte vor, sondern teilen auch konkrete Fallstudien und Praxisbeispiele aus unserer Arbeit. So erhalten Sie einen authentischen Einblick in die Möglichkeiten und Herausforderungen der Elektromobilität in der Logistik.
Die Transformation zur Elektromobilität ist keine Frage des „Ob“, sondern des „Wann“. Unternehmen, die heute beginnen, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen, sichern sich Wettbewerbsvorteile und positionieren sich für die Zukunft. Die Herausforderungen sind nicht zu unterschätzen – aber sie sind lösbar.
Gern ansprechbar: Dr. Christian de Wyl/Dr. Roman Ringwald/Matthias Puffe
Ebenfalls gern ansprechbar: Dr. Christian Gemmer/Katharina Schubert