Kommt die Grüne Welle dank Europa doch noch?

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Erdgasautos fahren schon seit zwei Jahrzehnten über unsere Straßen, und auch Elektrofahrzeuge sieht man im Stadtbild immer öfter. Gleichwohl ist die Trendwende in Richtung „grüner Mobilität“ noch nicht zu erkennen. Trotz ausgefeilter Technologien haben sich Gas- bzw. Elektromobilität (G- und E-mobility) bislang nicht durchsetzen können. Warum? Ein klassischer Teufelskreis: Es fehlt an Tankstellen bzw. (schnellen) Ladestationen, zumal die Reichweite der Fahrzeuge noch nicht weit genug ist. Das schreckt vom Kauf ab. Weil es am Absatz fehlt, bleiben wiederum die Anschaffungskosten auf hohem Niveau. Was seinerseits, und damit schließt sich der Kreis, mangels Nachfrage verhindert, dass die Infrastruktur ausgebaut wird.

An dieser Stelle setzt jetzt die Europäische Union in ihrer Ankündigung eines Maßnahmenpaketes „Saubere Energie für den Verkehr“ vom 24.1.2013 an. Von Bedeutung ist dabei insbesondere der Vorschlag für eine „Richtlinie über den Aufbau der Infrastruktur für alternative Kraftstoffe“. Sie fordert neben den umwelt- und klimapolitischen Vorgaben, die Treibhausgasemissionen um 20 Prozent zu reduzieren sowie den Anteil von Erneuerbaren Energien im Kraftstoffsektor von 10 Prozent bis 2020 zu erhöhen. Auch der sich global entwickelnde Markt für Elektrofahrzeuge und die weiterhin bestehende Abhängigkeit von Erdölimporten spielen eine große Rolle für die Initiative der EU.

Kern des Richtlinienentwurfs ist der Ausbau der Infrastruktur. Für die mit flüssigem (LNG) oder komprimiertem (CNG) Erdgas betriebenen Fahrzeuge soll künftig ein dichtes Netz von Tankstellen bereitstehen, die einen einheitlichen Kraftstoff anbieten.

Auch im Bereich der Elektromobilität setzt die Kommission ehrgeizige Ziele: Bis zum Jahr 2020 sollen in Deutschland 150.000 öffentlich zugängliche Ladestationen verfügbar sein. Sie beschreibt damit eine äußert anspruchsvolle Aufgabe, denn im Jahr 2011 gab es nur knapp 2.000 Ladestationen. Zu hoffen bleibt, dass die ambitionierten Projekte der „Schaufenster für Elektromobilität“ in den Regionen Berlin-Brandenburg, Baden-Württemberg, BayernSachsen und Niedersachsen beispielgebend wirken.

Zudem sollen Kampagnen und vereinheitlichte finanzielle Anreize die Verbraucher für saubere und energieeffiziente Fahrzeuge gewinnen.

Nachdem Europa mit E10 dem Markt bereits einen Anteil von Erneuerbaren Kraftstoffen vorgegeben hat, erscheint es durchaus sinnvoll, in einem weiteren Schritt das Netz der Tankstellen und Ladestationen auszubauen, um einen Markt für Erdgas- und Elektro-Mobilität zu etablieren. Ob das ausreicht, bleibt allerdings abzuwarten. Eine sinnvolle Ergänzung könnte sein, die Preisauszeichnung in „Euro/Liter-Äquivalent“ an den Tankstellen gesetzlich vorzuschreiben, damit potentielle Erdgas- und Biogasfahrzeugbesitzer den Preisvorteil gegenüber Otto- und Dieselkraftstoffen an der Zapfsäule erkennen können.

Den Ausbau von Stromladeeinrichtungen könnte man fördern, indem man die energiewirt-schaftlichen Rahmenbedingungen verändert – etwa die Bilanzierung und Abrechnung von mobilen („vagabundierenden“) Zählpunkten ermöglicht, Schnellladeeinrichtungen oberhalb 30 kW von Baukostenzuschüssen freistellt oder die Ladestationen grundsätzlich dem Netz zuordnet (und so die Kosten auf alle Netznutzer sozialisiert). Jedenfalls müssen die Rahmenbedingungen für das Parken beim Ladevorgang im öffentlichen Raum klar geregelt werden. Und dieses sind nur einige Beispiele …

Ansprechpartner G-Mobilität: Dr. Olaf Däuper/Dr. Erik Ahnis
Ansprechpartner E-Mobilität: Dr. Christian de Wyl/Jan-Hendrik vom Wege

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