Digitale Transformation von Stadtwerken: Die IT-Strategie jetzt starten

Für die digitale Transformation der Stadtwerke spielt die IT-Strategie eine zentrale Rolle. Sie legt die Leitlinien und Ziele für den Einsatz von IT-Systemen und Technologien fest und definiert den Rahmen für deren Integration in die Geschäftsprozesse. Eine gut ausgearbeitete IT-Strategie umfasst die Auswahl geeigneter IT-Systeme, die Integration von Daten und Prozessen, die Sicherstellung der Datensicherheit und die Nutzung von Echtzeitdaten.

Aktuelle Herausforderungen

Steigende rechtliche Anforderungen aufgrund der aktuellen Energiemarktsituation und der Energiewende erfordern eine ständige Anpassung der IT-Systeme.

Zuletzt stellten beispielsweise die systemseitigen umsatzsteuerrechtlichen Umsetzungen der Energiepreisbremsen eine große Herausforderung dar. Diese können zu Komplikationen und Verzögerungen bei den Verbrauchsabrechnungen führen, was wiederum Auswirkungen auf die Jahresabschlusserstellung sowie auch auf die Liquidität hat. Stadtwerke benötigen daher effiziente IT-Systeme, die komplexe Verbrauchsabrechnungen bewältigen können und eine zeitnahe und genaue Nutzung von Echtzeitdaten ermöglichen.

Die Verlässlichkeit der Zahlen sowie der Gleichlauf im internen als auch im externen Rechnungswesen ist von großer Bedeutung. Stadtwerke müssen in der Lage sein, genaue und verlässliche Daten zu liefern, um fundierte Entscheidungen treffen zu können und das Vertrauen der Stakeholder zu gewinnen. Eine moderne IT-Infrastruktur und die Integration verschiedener Systeme können die Qualität der Daten verbessern und die Zuverlässigkeit erhöhen.

Daneben spielt das Thema Datensicherheit aufgrund zunehmend publik werdender Cyberangriffe eine zentrale Rolle.

Umstellung auf SAP S/4HANA – Wahl der richtigen Transformationsstrategie

Mit S/4HANA hat die SAP SE eine neue Applikation entwickelt, die sich grundlegend von der Vorgängerversion ERP/ECC 6.0 unterscheidet. S/4HANA baut hierbei nicht wie der Vorgänger auf unterschiedlichen Datenbanken wie Oracle, DB2 etc. auf, sondern verwendet eine eigens von SAP entwickelte In-Memory Datenbank. Die Datenvorhaltung im Arbeitsspeicher (In-Memory) ermöglicht schnellere Auswertungen, auch von großen Datenmengen. Daneben bringt die S/4HANA-Architektur auch eine neue Benutzeroberfläche (SAP Fiori) mit.

Das Wartungsende für die Version ERP/ECC 6.0 ist für 2027 angesetzt. Für SAP-Anwender stellt sich somit eine wichtige Frage: Wann und vor allem wie transformiere ich mein Abrechnungssystem in die neue Welt? Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, eine erweiterte und kostenpflichtige Wartung bis 2030 in Anspruch zu nehmen.

Für Energieversorger, die das Modul IS-U einsetzen, ergibt sich noch eine weitere Baustelle. Alle Marktprozesse und -formate nach GPKE, GeLi Gas & Co. werden künftig in der neuen SAP-Architektur über die sogenannte MACO-Cloud (Market Communication for Utilities) abgebildet. Diese wird als SaaS-Service angeboten und mittels Konnektor an das Back-End-Abrechnungssystem angeschlossen. Dort verbleiben somit nur noch die regulierten Geschäftsprozesse.

Durch den (notwendigen) Wechsel ergeben sich neben den tiefgreifenden Änderungen im Modul IS-U jedoch auch einige Chancen. Mit der neuen Architektur können Prozessverbesserungen und Automatisierungen, gerade im Bereich der regulierten Geschäftsprozesse, umgesetzt werden. Die Wahl des richtigen Transformationszeitpunkts ist jedoch sehr individuell und hängt von mehreren Faktoren ab: Unternehmensgröße und Komplexität der Unternehmensstruktur, Anzahl an abgewickelten „Nebengeschäften“ (z.B. Telekommunikation, Bäder, Parkplätze) im Abrechnungssystem, Unternehmensstrategie für den Aufbau neuer Geschäftsfelder etc. Ziel der Transformationsstrategie muss es daher sein, die unvermeidbaren Kosten in ein optimales Verhältnis zum individuellen Nutzen der neuen Architektur zu bringen.

Mit Blick auf das nahende Wartungsende empfiehlt es sich, zeitnah eine für die eigenen Bedürfnisse angepasste Transformations- und Vergabestrategie auszuarbeiten. Eine besondere Rolle kommt hierbei auch den zugrundeliegenden IT-Verträgen zu, deren Inhalte zu den Anforderungen des jeweiligen Stadtwerkes passen müssen.

Ansprechpartner: Thomas Schmeding/Dr. Andreas Jankiewicz/Stefan Brühl/Dr. Maximilian Festl-Wietek 

Share
Weiterlesen

11 April

Doppelschlag des VG Köln: Rechtswidrige Glasfaser-Zugangsentgelte und sofortiger Zugang zu Kabelkanalanlagen der Telekom

Mit gleich zwei Beschlüssen sorgt das Verwaltungsgericht Köln für Aufmerksamkeit: Zum einen hat es die Entscheidung der Bundesnetzagentur (BNetzA) über Glasfaser-Zugangsentgelte in Fördergebieten für rechtswidrig erklärt und zum anderen die Telekom dazu verpflichtet, sofort Zugang zu ihren Kabelkanalanlagen zu gewähren....

02 April

Digitalisierung und Green Deal: Aktuelle Entwicklungen im europäischen Kartellrecht

Mit wichtigen Neuerungen hat der europäische Gesetzgeber das Kartellrecht fit für den Green Deal und den Umgang mit digitalen Unternehmen gemacht. Ein Überblick. Aktualisierung der Bekanntmachung über die Abgrenzung des relevanten Marktes Die Abgrenzung von Märkten in sachlicher, räumlicher und...