IT-Lösungen für intelligente Messsysteme: Von der Zählerfernauslesung zum Meter-Data-Management – Was kommt, was bleibt?

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Bei Neubauten und größeren Renovierungen (seit dem 4.8.2011) sowie bei Entnahmestellen mit einem Jahresverbrauch von mehr als 6.000 kWh müssen intelligente Messsysteme verbaut werden. Auf der Einspeiseseite trifft es – nach aktueller Gesetzeslage – alle EEG- und KWK-Anlagen mit einer installierten Leistung größer 7 kW sowie einer Inbetriebnahme ab 4.8.2011. Das ist längst beschlossene Sache (wir berichteten). Verzögert wird der flächendeckende Rollout derzeit lediglich dadurch, dass die technischen Mindestanforderungen noch fehlen – genauer die Messsystemverordnung (MSysV), denn die beiden Schutzprofile SMGW (BSI-CC-PP-0073 V1.2) und Sicherheitsmodul (BSI-CC-PP-0077 V1.0) sowie die technische Richtlinie TR-03109 (V1.0) sind bereits veröffentlicht. Mit der Verabschiedung der MSysV fällt der Startschuss für den Einbau von intelligenten Messsystemen.

Am Markt gibt es bereits eine Vielzahl unterschiedlichster Hardware-Lösungen in Form von elektronischen Messeinrichtungen und den dazugehörigen Gateways, die lediglich auf ihre Zertifizierung warten. Doch auch für die IT-Landschaft von Energieversorgungsunternehmen stehen Veränderungen an. Viele Hersteller drängen mit neuen, modularen Meter-Data-Management-Systemen (MDM) in den Markt. Doch welche Komponenten eines MDM werden überhaupt benötigt? Und haben die klassischen Zählerfernauslese- (ZFA) und Energie-Daten-Management-Systeme (EDM) ausgedient oder gibt es Möglichkeiten diese Systeme zu erweitern und weiter zu betreiben?

Drei wesentliche Komponenten sind unserer Meinung nach für den erfolgreichen Betrieb einer IT-Lösung für intelligente Messsysteme erforderlich. Den Kern bildet ein MDM-System, in dem Daten empfangen, Zeitreihen verwaltet und für nachgelagerte Systeme zur Verfügung gestellt werden. Die wesentlichste Herausforderung besteht darin, Massendaten zu verarbeiten. Das Administrationsmodul, mit Hilfe dessen der Smart-Meter-Gateway-Administrator (GWA) Zählern und/oder Smart-Meter-Gateways verwaltet, stellt die zweite Komponente dar. Dies umfasst beispielsweise auch Ableseaufträge und Tarifprofile. Diese Funktionalitäten sind vielen Unternehmen bereits aus bestehenden ZFA- und EDM-Systemen bekannt.

Der große Unterschied besteht darin, dass die Auslesung und teilweise auch die Geräteverwaltung nicht mehr direkt in Kommunikation mit dem Zähler stattfindet, sondern berechtigte Marktpartner und insbesondere der GWA nur noch über ein gesichertes Verfahren mit einem Gateway kommunizieren. Dazu bedarf es als dritte Komponente eines Head-End-Systems, das als Schnittstelle zwischen IT-Lösung und Hardware fungiert, genauer als Gegenstelle des sicheren Kommunikationskanals nach BSI TR-03109 zu den Smart Meter Gateways. Hierüber wird auch die Controllable-Local-Services (CLS)-Schnittstelle realisiert, die zum Beispiel den Fernzugriff des Netzbetreibers auf regelbare Erzeuger ermöglicht.

Die Hersteller der oben genannten IT-Systeme neigen dazu, zusätzliche Softwaremodule zu verkaufen. Dabei sind möglicherweise Teile der benötigten Funktionalitäten bereits in bestehenden Systemen enthalten. Die Herausforderung besteht darin, zu identifizieren inwieweit bestehende Systeme um neue oder zusätzliche Komponenten erweitert und wie die zusätzlichen Prozesse optimal in die bestehenden Arbeitsabläufe integriert werden können.

Ansprechpartner:  Dr. Andreas Lied/Stefan Brühl

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