Interviewreihe: Andreas Feicht, RheinEnergie AG

Am 24.4.2024 findet die BBH-Jahreskonferenz in der Französischen Friedrichstadtkirche in Berlin statt. Im Mittelpunkt steht das Thema Energie in seiner Gesamtheit, seiner systemischen Verknüpfung und seiner Entwicklungsperspektive. „Energie heute & morgen“ ist daher auch der Titel Veranstaltung. Zu den Teilnehmer:innen gehören Entscheider:innen aus Politk, Wirtschaft und Verbänden – und mit eben diesen Impulsgeber:innen haben wir im Vorfeld Interviews geführt, die wir an dieser Stelle veröffentlichen werden. Den Anfang macht Andreas Feicht, Vorstandsvorsitzender der RheinEnergie AG.

BBH-Blog: Energie ist ein essentieller Teil Ihres beruflichen Lebens. Welcher Aspekt genießt dabei bei Ihnen heute die höchste Priorität?

Andreas Feicht: Das Energiegeschäft ist ein sehr komplexes und miteinander verflochtenes Geschäft. Eine einzelne, höchste Priorität festzulegen, ist daher schwer. Vielmehr hat gerade das Managen der Komplexität und der verschiedenen miteinander verwobenen Stränge, das stetige Neu-Justieren eine hohe Bedeutung. Daher sage ich: Agiles Reagieren auf veränderte Rahmenbedingungen, besser noch antizipieren und vorausschauend handeln ist meine Priorität.

BBH-Blog: Damit wir von der „Energie heute“ zur „Energie morgen“ kommen, brauchen wir einen Transformationsprozess. Welcher Baustein wird Ihrer Meinung nach dabei immer wieder unterschätzt? Und welcher überschätzt?

Feicht: Ich halte es für wichtig, dass unsere schon vorhandenen Assets, der Bestandsstock, optimal genutzt werden. Ein Beispiel: Bisherige Erdgasstandorte müssen Wasserstoff-ready gemacht werden. Das werden wir unter anderem am Standtort Niehl zeigen, wo unser GuD-Kraftwerk umgerüstet in Kombination mit unserer Großwärmepumpe  künftig die Versorgung sicherstellen wird. Erneuerbare Energien Anlagen sind natürlich ebenfalls wichtig – mit ihnen alleine kann die Energiewende aber nicht gelingen.

BBH-Blog: Für wie wahrscheinlich halten Sie es, dass die ehrgeizigen Pläne für die Transformation des Energiesystems in Deutschland und Europa bis zur Mitte des Jahrhunderts nicht umgesetzt sind?

Feicht: Die Transformationspläne sind in der Tat ehrgeizig. Dabei gehen die Vorgaben in Deutschland noch über die von Europa geforderten Vorgaben hinaus. Ob die Energie- und vor allem die Wärmewende in Deutschland gelingt, das entscheidet sich vor allem auf kommunaler Ebene. Deswegen ist es wichtig, dass wir mit Politik und Verwaltung eng zusammenarbeiten – aber es ist auch unabdingbar, dass Politik und Regierung nach Kräften unterstützen.

BBH-Blog: Sehen Sie eine Wahrscheinlichkeit, dass das Projekt insgesamt scheitert?

Feicht: Das halte ich nicht für wahrscheinlich. Es dauert wahrscheinlich nur länger, als antizipiert.

BBH-Blog: Zum Abschluss: Welche Farbe assoziieren Sie mit dem Begriff „Energie“? [Anm. der Redaktion: Es geht ausdrücklich nicht um eine Wasserstofffarblehre o.ä., sondern um die ganz persönliche Empfindung.]

Feicht: Grün-blau.

BBH-Blog: Sehr geehrter Herr Feicht, herzlichen Dank für das Gespräch. Wir freuen uns auf die weitere Diskussion im Rahmen unserer Jahreskonferenz am 24.4.2024.

Mehr Infos zu unserer Jahreskonferenz finden Sie hier.

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