Die COP 26 vor dem Abschluss – ein Bericht

Seit dem 31.10.2021 findet in Glasgow die 26. UN-Klimakonferenz statt, international bekannt als COP 26. Unter dem Vorsitz Großbritanniens haben über 120 Staats- und Regierungschef*innen in der ersten Woche über die Begrenzung der menschgemachten Erderwärmung verhandelt.

Was wurde schon erreicht?

Viele der Staats- und Regierungschef*innen haben mit deutlichen Worten ein höheres Tempo im Kampf gegen den Klimawandel sowie die Begrenzung der globalen Erderwärmung auf 1,5° Celsius gefordert. Der indische Premier Modi etwa kündigte an, in seinem Land bis 2070 Klimaneutralität erreichen zu wollen und bis 2030 die Stromerzeugung zur Hälfte auf Erneuerbare Energien umzustellen.

Außerdem wurden eine Reihe von Vorreiter-Allianzen geschmiedet, etwa die Glasgow „Leaders‘ Declaration on Forests and Land Use“, in der sich über 130 Staaten dazu bekennen, Entwaldung und Erosion bis 2030 zu stoppen und umzukehren. Untermauert wird dies zudem von einem „Global Forest Finance Pledge“ von 12 Staaten, darunter auch Deutschland, die für Waldschutz in Entwicklungsländern in den nächsten fünf Jahren 12 Milliarden Dollar zusagen. 105 Staaten haben sich dem von der USA und der EU initiierten „Global Methane Pledge“ angeschlossen, um klimaschädliche Methanemissionen bis 2030 um mindestens 30 Prozent gegenüber 2020 zu senken. Die „Glasgow Breakthroughs“, die Verpflichtungen zu mehr Klimaschutz in den Bereichen Energie, Straßenverkehr, Stahl und Wasserstoff beinhalten, unterstützen 40 Staaten; ferner werben sie für internationale Zusammenarbeit und globale Koordination zwischen verschiedenen Akteuren in den einzelnen Sektoren.

Eine Gruppe von 41 Industrie-, Entwicklungs- und besonders vulnerablen Ländern hat sich mit dem  „High Ambition Coalition COP 26 Leaders’ Statement“  auf einen 1,5°-Pfad verpflichtet und entsprechende Maßnahmen zugesagt, darunter die USA und Deutschland. Die Partnerschaft von Großbritannien, den USA, Frankreich, Deutschland und der EU-Kommission mit Südafrika soll das Land bei der Energiewende unterstützen. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf einem sozial verträglichen Kohleausstieg.

Schließlich wurden noch verschiedene Erklärungen im Energiebereich abgegeben, etwa zum Kohleausstieg und zum Ausstieg aus der internationalen Finanzierung von fossilen Energieträgern. 46 Staaten – darunter Deutschland – haben das „Global Coal to Clean Power Transition Statement“ unterzeichnet, das aus vier Verpflichtungen besteht, nämlich

  1. der beschleunigten Förderung von Erneuerbaren Energien und Energieeffizienz,
  2.  dem beschleunigten Ausstieg aus der Kohleverstromung sowie einem größtenteils dekarbonisierten Stromsektor in großen Volkswirtschaften in den 2030ern und global in den 2040ern,
  3. keine neuen Kohlekraftwerke zu genehmigen oder zu bauen sowie internationale Kohlefinanzierung einzustellen und
  4. der Unterstützung von Just Transition.

Auch zu Themen wie Landwirtschaft, Verkehr oder Anpassung wurden mehrere Erklärungen abgegeben. Dazu gehören eine Strategie für eine emissionsfreie Schifffahrt bis 2050 und eine Aktualisierung der Initiative „International Zero-Emission Vehicle Alliance“ aus dem Jahr 2015, die zum Ziel hat, die internationale Zusammenarbeit bei der Elektromobilität und bei der Dekarbonisierung im Verkehr zu stärken.

Verhandlungsthemen der zweiten Woche

Am Dienstag wurde das Thema Carbon Dioxide Removal (CDR) zum Gegenstand der Diskussion. Auf der einen Seite wird unter anderem von Greenpeace befürchtet, dass die dafür verwendeten Waldflächen der Nutzung durch darauf angewiesene indigene Bevölkerung entzogen werden und CDR-Projekte nichts anderes als Greenwashing darstellen. Für andere NGOs hingegen stellt die Entnahme von CO2 aus der Atmosphäre einen wichtigen Teil des globalen Emissionsreduktionspfades dar. Für den glaubwürdigen Einsatz von CDR neben und nicht anstelle von CO2-Reduktionsmaßnahmen gibt es auch bereits Regelungsvorschläge: eine Regel lautet, nur nachprüfbare, korrekt abgerechnete und zusätzliche Projekte zu unterstützen. Dieses Thema wurde auf der COP 26 im Rahmen der Verhandlungen über Artikel 6 des Pariser Klimaabkommens diskutiert, in dem es um die internationale Zusammenarbeit im Klimaschutz geht. Kritisiert wurde, dass die Industrienationen ihr Versprechen, Entwicklungsländern ab 2020 jährlich 100 Milliarden Dollar für Klimaschutz zur Verfügung zu stellen, bislang nicht erfüllt haben. Als Ausgleich wird nun verlangt, Erlöse aus den Kohlenstoffmärkten für den UN-Anpassungsfonds zur Verfügung zu stellen.

Am Mittwoch überraschten China und die USA, die als größte Treibhausgasemittenten gemeinsam fast 40 % der weltweiten CO2-Emissionen verursachen, mit einer Vereinbarung für mehr Klimaschutz. Der chinesische Klimagesandte Xie Zhenhua gab in Bezug auf die drohende Klimazielverfehlung bekannt, eine Kluft zwischen den gegenwärtigen Bemühungen und den Zielen des Pariser Abkommens anzuerkennen und gemeinsam mit den USA als die zwei großen Weltmächte Verantwortung bei der Bekämpfung des Klimawandels übernehmen zu wollen. Die Vereinbarung der beiden Länder enthalte auch bereits konkrete Pläne. Vor der Weltklimakonferenz gab China noch an, erst bis 2060 Klimaneutralität erreichen zu wollen und verortete den Emissionswendepunkt bei 2030.

Einige wesentliche Punkte sind noch offen. Unter anderem die Verhandlungen im Anpassungsausschuss, bei denen auch das globale Anpassungsziel verhandelt wird, laufen noch. Es soll ein Prozess begonnen werden, um Fortschritte der Länder bei Anpassungsmaßnahmen zu verfolgen und zu bewerten. Zudem soll der Umgang mit Verlusten und Schäden geklärt werden, zum Beispiel im Rahmen einer Klimarisikofinanzierung.

Generell ist bei der Klimafinanzierung noch offen, wie die Erfüllung des 100-Milliarden-Dollar-Ziels, also die Bereitstellung von 100 Milliarden US-Dollar pro Jahr bis 2025 durch die Industrienationen für den Klimaschutz in einkommensschwachen Ländern, erfolgen soll. Aber auch ein neues Klimafinanzierungsziel nach 2025 soll verhandelt werden und auf einstimmigen Wunsch der Entwicklungsländer soll ebenfalls über eine stärkere Anpassungsfinanzierung diskutiert werden.

Schließlich steht noch der Abschluss des Regelwerks zum Pariser Klimaabkommen auf der Tagesordnung. Dabei geht es um Kooperationsmechanismen zur Emissionsminderung, einen erweiterten Transparenzrahmen für die Berichterstattung sowie gemeinsame Zeitrahmen für national festgelegte Beiträge zu den Klimaschutzzielen.

Auf dem Weg zum 1,5°-Ziel?

Die Weltklimakonferenz ist mit einem deutlichen Signal für mehr Klimaschutz gestartet. Der politische Erfolg der Konferenz wird allerdings auch von den Einigungen in der zweiten Woche durch die zuständigen Minister*innen und Regierungsvertreter*innen und der Umsetzung der vereinbarten Selbstverpflichtungen abhängen.

Aus Anlass der COP 26 haben weitere Staaten ihre national festgelegten Beiträge nach dem Übereinkommen von Paris aktualisiert und langfristige Klimaziele vorgelegt. Unter der Annahme, dass alle eingereichten Verpflichtungen eingehalten werden, prognostizieren erste Berechnungen eine Begrenzung der Erwärmung auf unter 2° Celsius bis zur Mitte des Jahrhunderts. Allerdings ergeben die vorgelegten NDCs in der Summe einen Pfad von 2,7 Grad Erwärmung.

Allerdings ergeben die vorgelegten NDCs laut neuer Prognosen des Climate Action Trackers in der Summe einen Pfad von 2,4° Celsius Erwärmung. Daher warnte das Institut am Dienstag, dass die globalen Emissionen im Jahr 2030 immer noch doppelt so hoch sein werden, wie zur Erreichung des 1,5°-Ziels erforderlich. Die Netto-Null-Ziele von 40 Ländern machen zwar 85 % der globalen Emissionsminderungen aus, aber nur 6 % dieser Emissionen würden durch konkrete Reduktionsmaßnahmen erfasst.

Daher passen national festgelegte Beiträge und langfristige Klimaziele oft nicht zusammen. Zudem ergreifen die Staaten bislang noch zu wenige Maßnahmen, um ihre national festgelegten Beiträge zu erreichen. Es wird also sehr aufmerksam beobachtet werden, inwieweit die Länder ihre Beiträge fortschreiben und mit konkreten Politiken und Maßnahmen unterfüttern werden, um das 1,5°-Ziel zu erreichen.

Ansprechpartner*innen: Prof. Dr. Ines Zenke/Dr. Olaf Däuper/Dr. Tigran Heymann/Carsten Telschow

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