Weltknuddeltag oder: Warum die Netzbetreiber in Zukunft näher zusammenrücken müssen

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Es darf geknuddelt werden! Der heutige Weltknuddeltag, den es übrigens bereits seit 1986 gibt, fordert uns auf, einander näher zu kommen. In der Energiewirschaft lassen wir uns das nicht zweimal sagen. Denn innerhalb der energiewirtschaftlichen Wertschöpfungskette arbeiten die Akteure ja bereits sehr eng aufeinander abgestimmt zusammen, um das Energieversorgungssystem sicher und stabil zu halten. Auf der Netzebene wird man in Zukunft wohl noch enger zusammenarbeiten müssen. Denn ab dem 1.10.2021 löst das Redispatch 2.0 das klassische Einspeisemanagement ab.

Auf Redispatch-Maßnahmen greifen Netzbetreiber zurück, um Netzengpässe zu überwinden. Dazu greifen sie in die Fahrweise von Anlagen ein, um z. B. die Erzeugung vor dem Engpass herunterzuregeln und dahinter hinauf. Selbstverständlich müssen die Anlagenbetreiber für die Eingriffe entschädigt werden. Das Spiel kennen die Betreiber von Erzeugungsanlagen mit 10 MW und mehr bereits. Im Regime des Redispatch 2.0 gilt dies zukünftig aber für alle Erzeugungsanlagen ab einer Nennleistung von 100 kW. Ab 2021 werden also mehr Anlagen unter das Redispatch fallen. Viel mehr. Etwa 100.000 Anlagen wird das betreffen, so erste Schätzungen.

Und die 100.000 Anlagen müssen auch – zumindest datentechnisch – zusammenrücken. Denn in der Praxis muss ein Netzbetreiber immer die Maßnahme wählen, die am wenigsten kostet. Er darf also nicht irgendeine Erzeugungsanlage ab- oder hochregeln, sondern die, deren Regelung am günstigsten ist.

Um diese Entscheidung treffen zu können, sind die Netzbetreiber auf eine komplexe Datengrundlage angewiesen. Mindestens die Stammdaten der Erzeugungsanlagen, Daten über die Wirkung der Anlage auf den jeweiligen Netzengpass und Daten über die Kosten der Anlage für den Zeitraum der Maßnahme sind erforderlich, um fundiert entscheiden zu können.

Die konkreten Vorgaben zu Redispatch sind noch nicht abschließend geklärt, aber klar ist: Netzbetreiber werden im Redispatch 2.0 noch intensiver miteinander kooperieren müssen, um Netzengpässe effizient beheben zu können. Dabei wird auch das Thema Datenaustausch eine große Rolle spielen. „Lasst uns datenknuddeln!“

Ansprechpartner: Prof. Dr. Ines Zenke/Dr. Christian Dessau

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