Mit dem richtigen Investor zur erfolgreichen Unternehmensnachfolge

Bis 2025 werden voraussichtlich 842.000 Inhaber mittelständischer Unternehmen ihre Tätigkeit aufgeben, so der KfW-Gründungsmonitor in seinen Berichten 2017 bis 2020. Auf der Suche nach einem geeigneten Nachfolger oder Investor beschreiten viele Unternehmensinhaber neue Wege. So wurde etwa ein insolvenzbedrohtes Fischereiunternehmen zu Beginn des Jahres 2022 via LinkedIn erfolgreich an einen Investor vermittelt. Die Investorensuche ist allerdings meistens zeitintensiv und aufwendig.

Wege zum potenziellen Investor

Ein möglicher Ansatz für die Investorensuche ist eine anonymisierte Ausschreibung auf sog. Nachfolger-Börsen (wie z.B. die Unternehmensnachfolgebörse nexxt-change oder die Deutsche Unternehmerbörse DUB), auf denen sich bisweilen auch Gesuche möglicher Investoren finden lassen. Dieser Kommunikationsweg verlangt jedoch eine Vorselektion potentieller Interessenten anhand bestimmter Kriterien und ist deshalb komplex.

Bei konventionellen Varianten der Investorensuche (z.B. Mundpropaganda) besteht die Gefahr, dass vertrauliche Informationen über die geplante Unternehmensnachfolge an Dritte gelangen, etwa die eigene Belegschaft oder direkte Konkurrenten. Letztere könnten das Wissen gar dazu verwenden, Kunden oder Lieferanten des Unternehmens abzuwerben.

Um Risiken zu vermeiden, ist es für viele Inhaber am attraktivsten, die Dienste eines Unternehmensnachfolgeberaters in Anspruch zu nehmen. Sie verfügen in der Regel über ein großes Netzwerk und die notwendige Expertise, um vertraulich seriöse Investoren zu finden.

Arten von Investoren

Man unterscheidet grundsätzlich zwischen Finanzinvestoren und strategischen Investoren. Ein Finanzinvestor ist auf die Investition von Eigenkapital in nicht börsennotierten Unternehmen spezialisiert. Hierzu zählen unter anderem Private Equity, Venture Capital (bei Beteiligungen an jungen Unternehmen in deren Gründungsphase) sowie Buy-outs (Mehrheitsbeteiligungen an Unternehmen in deren Reifephase).

Finanzinvestoren verfolgen in der Regel primär finanzwirtschaftliche Ziele und eine Zielrendite am Ende ihres Investitionszeitraums. Hierbei wird insbesondere auf das EBITDA-Potential, Möglichkeiten zur Steigerung des Unternehmenswerts, Wachstumschancen oder Desinvestitionsmöglichkeiten geachtet.

Die Investitionsdauer beläuft sich im Durchschnitt auf 5 Jahre und findet ihr Ende im sog. Exit. Dieser kann jedoch nur erfolgen, sofern ein Geschäftsführer eingesetzt ist, der die Fortführung des Unternehmens nach dem Verkauf verantwortet.

Strategische Investoren hingegen verfolgen häufig die Absicht, ein Unternehmen zu erwerben, das ihren eigenen Gesellschaften vom Geschäftszweck her ähnlich ist (beispielsweise gleiches Marktsegment) oder gar einen aktiven Wettbewerber darstellt. Im Vordergrund stehen dabei Überlegungen zur Vergrößerung der Marktanteile, einer möglichen Bereinigung des Marktes oder zum Transfer von Know-how in die eigenen Unternehmen.

Übernahmeentscheidungen von strategischen Investoren sollen in der Regel Synergieeffekte erzeugen, etwa durch horizontale oder vertikale Integration. Eine strategische Investition definiert sich meist zeitlich über einen langfristig orientierten Investitionszeitraum, der den eines Finanzinvestors häufig übersteigt.

Welche ist die richtige Nachfolge-Lösung?

Wegen individueller Rahmenbedingungen in jedem Unternehmen ist eine allgemeingültige Lösung zur Auswahl von Investoren grundsätzlich nicht möglich. Einige Gesellschafter präferieren die Übergabe ihres Unternehmens an einen strategischen Investor, da dieser oftmals bereits eine ähnliche Unternehmenspolitik verfolgt und somit keine großen Veränderungen für die bestehende Belegschaft zu erwarten sind. Dazu wird oft die Auffassung vertreten, dass nur ein strategischer Investor (aus dem gleichen Marktsegment) die zukünftige Wirtschaftlichkeit und somit den Erhalt des Unternehmens gewährleistet.

Auf der anderen Seite profitiert der Inhaber beim Verkauf seines Unternehmens an einen Finanzinvestor von einer relativ hohen Transaktionsgeschwindigkeit, da Übernahmen das Kerngeschäft von Finanzinvestoren darstellen. Durch einen Verkauf an einen Finanzinvestor ist auch eine fortgeführte Beschäftigung des Inhabers im Unternehmen möglich.

Unabhängig von der bevorzugten Lösung des Unternehmers sollte dieser Prozess professionell und organisiert begleitet werden. Die Analyse der Finanzexperten kann die Stärken und Schwächen sowie den Unternehmenswert transparent machen und somit Vertrauen zwischen Verkäufer und Käufer schaffen.

Ansprechpartner*innen: Thomas Straßer/Tobias Sengenberger/David Klee

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