Dialog Klimaneutrale Wärme gestartet: Wie soll die kommunale Wärmeversorgung im Jahr 2050 aussehen?

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Heute startet der Dialog Klimaneutrale Wärme, den das Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) am 19.2.2021 initiiert hat. Er dient dazu, sich mit den zentralen Akteuren und Stakeholdern über Zielbilder für eine klimaneutrale Wärmeversorgung 2050 und die Wege dorthin auszutauschen. Das soll eine fundierte Grundlage für die folgenden politischen Entscheidungen zur Wärmewende schaffen.

Wege zur umfassenden Transformation

In einem Impulspapier formuliert die Bundesregierung zahlreiche Fragen und Thesen, die im Rahmen des Dialogs erörtert werden sollen. Die Zielrichtung wird deutlich: Eine umfassende Transformation des Wärmemarktes soll forciert und entsprechende Weichen sollen zeitnah gestellt werden. Erste Zwischenergebnisse sollen noch vor der parlamentarischen Sommerpause 2021 präsentiert werden. Konkrete gesetzgeberische Umsetzungsvorschläge sind danach frühestens in der nächsten Legislaturperiode zu erwarten.

Im Fokus des Dialogs stehen dabei folgende Fragen: Welche erneuerbaren Wärmeerzeugungstechnologien sind für die verschiedenen Anwendungsbereiche geeignet? Wie müssen die dazugehörigen Wärmeinfrastrukturen aussehen? Welche Rolle spielen dabei die heutigen Gas-, Strom- und Wärmenetze? Daneben sollen verschiedene Instrumente diskutiert werden, die den Umbau zur klimaneutralen Wärmeversorgung und deren Ausgestaltung stützen. Ein starker nationaler CO2-Preis wird als Leitinstrument postuliert, daneben bringt das BMWi eine Reform des Systems aus Umlagen, Steuern, Abgaben und Entgelten ebenso ins Spiel wie die Weiterentwicklung energetischer Gebäudestandards.

Erdgas als Übergangstechnologie?

Vor dem Hintergrund der klimapolitischen Ziele sieht das BMWi im Energieträger Erdgas bis zum Jahr 2030 eine bedeutende Übergangstechnologie hin zu einer klimaneutralen Wärmeversorgung. Im Jahr 2050 werde Erdgas jedoch, wenn überhaupt, nur noch punktuell im Wärmemarkt zum Einsatz kommen. Wegen der langen Investitionszeiträume im Wärmebereich und der notwendigen Infrastrukturentscheidungen müsste der Ausstieg aus Erdgas daher in den nächsten Jahren vorbereitet werden. Der Ausstieg aus der Förderung von Erdgas-KWK und -Brennwertkesseln stelle dabei einen wichtigen Aspekt dar, für den nur noch der richtige Zeitpunkt gefunden werden müsse. Welche Rolle die heutigen Erdgasnetze für den Transformationsprozess hin zu einer klimaneutralen Wärmeversorgung spielen und wie diese gegebenenfalls weiterentwickelt werden können, müsse ebenfalls frühzeitig bedacht werden.

Trotz des Anspruchs auf Technologieoffenheit stellt das BMWi die Rolle gasförmiger synthetischer Energieträger und Wasserstoff offen in Frage (und damit insbesondere auch die Zukunft der Gasverteilernetze in kleinen und mittleren Leitungsbereichen). Das gilt insbesondere mit Blick auf die dezentrale Wärmeversorgung für Gebäude, denn Studien würden zeigen, dass sich die strombasierte Wärmeerzeugung mit Wärmepumpen im Gebäudesektor anbiete. Zudem würden grüne Wärmenetze zukünftig eine wichtige Rolle für die Gebäudeversorgung spielen.

Keine einheitlichen Lösungen

Das BMWi betont jedoch auch, dass eine komplett einheitliche Lösung für die zukünftige Wärmeversorgung und den Umbau der Gas-, Strom- und Wärmenetze nicht erstrebenswert ist, da erhebliche regionale Unterschiede bestehen. Der Handlungsbedarf liege bei den Kommunen, die gemeinsam mit ihren Stadtwerken und Netzbetreibern selbst entscheiden müssten, wie sie die Wärmewende umsetzen wollen. Eine strategische kommunale Wärmeplanung – die in Baden-Württemberg beispielsweise schon seit 2020 verbindlich ist – sei ein geeignetes Instrument, mit dem die Kommunen ihre zukünftige Wärmeversorgung und damit verbunden die Weiterentwicklung ihrer Infrastrukturen frühzeitig planen können. Das schaffe außerdem Planungs- und Investitionssicherheit für alle Akteure, also auch für die Stadtwerke vor Ort.

Im Rahmen des Dialogs steht ebenfalls zur Debatte, inwiefern dieses Instrument länderübergreifend verpflichtend werden soll und wie die Planungsprozesse konkret aussehen sollen. Gerade für Stadtwerke lohnt es sich in jedem Fall, wenn sie sich frühzeitig und umfassend mit dem Thema auseinandersetzen.

Ansprechpartner*innen: Dr. Olaf Däuper/Ulf Jacobshagen

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