Die Übernahme von Suez durch Veolia schreitet voran

Der französische Umweltkonzern Veolia treibt die geplante Übernahme des Konkurrenten Suez voran. Mit der Anmeldung bei der Wettbewerbsdirektion der Europäischen Kommission macht er nun den nächsten Schritt, um auch die letzten bürokratischen Hürden zu nehmen.

Der Weg der Übernahme

Die Pariser Umweltunternehmen rangen bereits seit über einem Jahr miteinander und sorgten so für Unruhe auf dem europäischen Entsorgungsmarkt. Fast genau vor einem Jahr erwarb Veolia bereits 29,9 Prozent des Konkurrenten Suez, worauf eine spektakuläre Übernahmeschlacht folgte. Sieben Monate dauerte der Kampf um das globale Wasser- und Abfallgeschäft, bis es schließlich im April 2021 zu einer Einigung kam (wir berichteten). Danach soll Veolia als größeres der beiden Unternehmen die Anteile von Suez für 20,50 Euro pro Aktie erwerben können – was einer Gesamtbewertung von rund 13 Mrd. Euro entspricht – und die eigene Stellung am Weltmarkt stärken. Der „neuen Suez“ blieben der französische Heimatmarkt bezüglich des Wassergeschäfts und abfallbezogener Entsorgungsaktivitäten sowie weitere Wasseraktivitäten in mehreren anderen Ländern.

Nach der Zustimmung im April folgte zwei Monate später der nächste Schritt. Im Juni 2021 stimmten die Verwaltungsräte der Unternehmen dem verbindlichen Kaufangebot des Investorenkonsortiums für die „neue Suez“ zu. Damit konnte Veolia den Aktionären die vereinbarte Summe anbieten. Die „neue Suez“ soll an das Investorenkonsortium aus Meridiam (40 Prozent), Global Infrastructure Partners (GIP) (40 Prozent) und der staatlichen Caisse des Dépôts Group mit der Versicherung CNP Assurances (20 Prozent) veräußert werden. Ziel dabei ist, dass die wettbewerbsrechtlichen Bedenken bezüglich der Inkorporation von Suez gar nicht erst entstehen würden. Das Geschäftsfeld der „neuen Suez“ bleibt identisch und wird schätzungsweise einen Jahresumsatz von fast 7  Mrd. Euro generieren.

Im Juli 2021 gab die französische Finanzaufsicht ihr Einverständnis für die Übernahme, wodurch Veolia das öffentliche Übernahmeangebot unterbreitete. Um die restlichen 70,1 Prozent der Aktienanteile zu bekommen, bot der Umweltkonzern die verabredeten 20,50 Euro pro Anteil. Unter Berücksichtigung der von Suez Anfang Juli ausgezahlten Dividende in Höhe von 0,65 Euro beläuft sich das Angebot von Veolia auf insgesamt rund 8,75 Mrd. Euro. Eben dieses Angebot nahm Suez nun an und unterzeichnete vor wenigen Tagen den endgültigen Kaufvertrag.

Anmeldung bei der Europäischen Kommission

Am 22.10.2021 zeigte Veolia die geplante Übernahme bei der Europäischen Kommission an. Die Kommission kann die Transaktion nun unter wettbewerbsrechtlichen Gesichtspunkten auf Bedenken hin überprüfen und hat als vorläufiges Ende der Entscheidungsfrist zur Freigabe oder aber zu einer vertieften Prüfung des Vorhabens in Phase II den 30.11.2021 vermerkt.

Im Markt wird es überwiegend für wenig wahrscheinlich gehalten, dass die europäischen Wettbewerbshüter ihre Genehmigung versagen, da insbesondere die Veräußerung des Unternehmensteils „neue Suez“ an das Investorenkonsortium das wettbewerbsrechtliche Ungleichgewicht zerstreue. Deshalb wird der Abschluss des Deals allgemein zu Ende Januar 2022 erwartet.

Ansprechpartner*innen: Prof. Dr. Ines Zenke/Dr. Tigran Heymann

PS: Sie sind in der Wasser-, Abwasser-, Abfall- und Rohstoffwirtschaft tätig oder interessieren sich für deren Themen? Dann treffen Sie uns auf der kommenden IFAT 2022 vom 30.5. bis 3.6.2022 in München.

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