…und es hat Wumms gemacht: Konjunkturpaket kurbelt Wasserstoffwirtschaft an

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Während die nationale Wasserstoffstrategie noch immer auf sich warten lässt, hat die Bundesregierung am 3.6.2020 und quasi über Nacht 130 Mrd. Euro an Konjunkturhilfen für unterschiedliche Wirtschaftsbereiche in Aussicht gestellt. Davon sollen 7 Mrd. Euro verwendet werden, um die Wasserstofftechnologie in Deutschland auf ein industrielles Niveau zu heben. Auch wenn detaillierte Regelungen in der nationalen Wasserstoffstrategie noch ausstehen, bestätigt das Konjunkturpaket der Bundesregierung damit: Wasserstoff wird eine Schlüsseltechnologie in der künftigen Energieversorgung sein.

Hin zur umlagefreien Produktion

Bis 2030 sollen industrielle Produktionsanlagen von bis zu 5 GW Gesamtleistung einschließlich der dafür erforderlichen Offshore- und Onshore-Energiegewinnung entstehen. Bis spätestens 2040 sollen weitere 5 GW zugebaut werden.

Die industriellen Prozesse sollen nach und nach von Kohle, Öl und Erdgas auf Wasserstoff umgestellt werden. Die Bundesregierung bekennt sich in ihrem Konjunkturpaket dazu, die Unternehmen bei der Entwicklung und Prozessumstellung zu fördern: über Investitionszuschüsse in neue Anlagen und über ein neues Pilot-Programm für Carbon Contracts for Differences, möglicherweise auch über Ausschreibungen von Elektrolyseleistungen.

Um die Nutzungsmöglichkeiten für die Industrie wirtschaftlich überhaupt abbildbar zu machen, soll die EEG-Umlage bei der Produktion von grünem Wasserstoff entfallen. Regelmäßig weisen Industrievertreter darauf hin, dass wettbewerbsfähige Strompreise unabdingbar sind, um im internationalen Umfeld zu bestehen (wir berichteten) und die klimapolitische Nullnummer Carbon Leakage zu vermeiden. Dies gilt auch im Zuge einer nationalen Wasserstoffstrategie und der angestrebten Klimaneutralität, zu denen sich die Industrie immer wieder bekennt.

Durch eine umlagefreie Produktion von Wasserstoff soll die EEG-Umlage selbst übrigens nicht steigen, wie die Bundesregierung schreibt. Vielmehr wird an anderer Stelle des Konjunkturpakets in Aussicht gestellt, die EEG-Umlage im Jahr 2021 auf 6,5 Cent pro Kilowattstunde und im Jahr 2022 auf 6,0 Cent zu fixieren. Prüfen will die Bundesregierung die potentielle Nachfrage nach klimafreundlichem Stahl und die Förderung von „Wasserstoff-ready“-Anlagen über das Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz. Schließlich soll Wasserstoff auch im Schwerlastverkehr und im Flugverkehr in Zukunft eine Rolle spielen.

Hin zu einem „echten Rohstoff“

„Die regulatorischen Grundlagen für den Aufbau einer Wasserstoffinfrastruktur werden zügig umgesetzt“, heißt es im Konjunkturpaket. Gasinfrastruktur spielt eine nicht unerhebliche Rolle in vielen deutschen Industriesektoren, sei es zur Anfeuerung von Abfallverbrennern oder zum Betrieb des Blockheizkraftwerks für die Wärmeversorgung der Nachbarschaft. All das ist Infrastruktur, die, zumindest theoretisch, in der einen oder anderen Form der Versorgung mit Wasserstoff als klimaneutraler Energieträger dienen kann.

Wir bewegen uns also von einem reinen Flexibilitätsprodukt, umgewandelt aus überschüssigem Strom, zu einem „echten“ Rohstoff, der teilweise auch importiert wird. Grüner Wasserstoff würde als commodity voraussichtlich über eine Börse gehandelt werden, wenn Angebot und Nachfrage einen entsprechenden Markt erlauben. Wenn z.B. Wasserstoff in der Stahlindustrie eingesetzt wird, muss genug Angebot da sein, um eine Stahlerzeugung auf Wasserstoff zu errichten. Ein solcher Markt muss zunächst noch hochgefahren werden.

Ansprechpartner*innen: Prof. Dr. Ines Zenke/Dr. Martin Altrock

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