Das Quartier zwischen Anspruch und Wirklichkeit

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Unsere Städte entwickeln sich permanent. Sie sind das Resultat der Veränderungen in den Bereichen Wirtschaft, Energie, Mobilität oder des gesellschaftlichen Wandels. Moderne Quartiere sollen die Probleme lösen, die mit diesen Veränderungen einhergehen. Doch in der Praxis scheitern Lösungsansätze häufig bei der Umsetzung. Wir möchten genauer wissen, woran das liegt.

Hohe Erwartungen

Die Ansprüche an moderne Quartiere sind hoch. Sie sollen Lebensqualität für heutige und zukünftige Generationen schaffen und das Rückgrat der resilienten Stadt bilden. Dabei werden sie als Modelle diskutiert, um Probleme wie Flächenknappheit, konfligierende Nutzungen zu lösen oder klimapolitische Ziele, soziale Nachhaltigkeit oder die Infrastrukturerschließung zu fördern.

Die Herausforderung besteht darin, ein hohes Maß baulicher Dichte mit einer Nutzungsvielfalt in Einklang zu bringen und gleichzeitig die Aufenthalts- und Umweltqualität zu heben. Die (Weiter)Entwicklung von kompakten und gemischt genutzten Quartieren ist daher eine Frage der Abwägung zwischen dem „mein Wohl“ und dem „Gemeinwohl“, und das nicht nur auf kommunaler Ebene.

Die Nutzer des Quartiers fordern primär eine urbane und heterogene Mischung, Nahversorgung, die Verfügbarkeit von ÖPNV und Mobilitätsangeboten und Zugang zu Grün- und Freizeitflächen für die Lebensqualität. Hinzugekommen ist in letzter Zeit der Anspruch, dabei sowohl die klimatische und lufthygienische Situation in den Quartieren, als auch den Wasserhaushalt zu berücksichtigen.

In der Praxis erfordert das ein hohes Maß an Flexibilität, die das Quartier spätestens bei der heutigen Planung von zukunftsfähigen Infrastrukturlösungen an seine Grenzen stoßen lässt. Der Leitgedanke der Dekarbonisierung und der damit einhergehende Wandel in der Energiegewinnung, -nutzung sowie im Individual- und Massenverkehr treten somit in den Vordergrund.

Enttäuschte Erwartungen

Häufig ist allerdings zu beobachten, dass vieles von dem, was an guten Ansätzen diskutiert wird, in der Umsetzung nicht gelingt. Das hat vielfältige Ursachen, aber häufig fehlt schon eine klare Antwort auf grundlegende Fragen: Wer ist das Quartier überhaupt? Welche Aufgaben soll es jetzt und in Zukunft haben? Wie soll es sich finanzieren und wie und auf welcher Grundlage sollen die wesentlichen Entscheidungen im Quartier getroffen werden?

Die Komplexität der sehr unterschiedlichen Themenfelder und die Notwendigkeit, termingenau zu planen, belasten die Strukturierung zusätzlich und führen meist zu einer deutlich reduzierten Variante des ursprünglich Geplanten. Damit bleibt das Quartier hinter seinen Möglichkeiten zurück und es werden (Infra)Strukturen geschaffen, die über viele Jahrzehnte eine resiliente Weiterentwicklung des Quartiers unmöglich machen.

Erfahrungen teilen

Mit einer umfragebasierten Studie möchten wir den Ursachen dieser Fehlentwicklungen nachgehen und das Potenzial, das Erreichte, aber auch das nicht Erreichte kritisch analysieren. Die Erfahrungen aus der Quartierentwicklung werden wir dann systematisch aufbereiten und einer breiteren Öffentlichkeit zur Verfügung stellen.

Ansprechpartner: Wolfram von Blumenthal/Ulf Jacobshagen/Kevin Bedarf

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